„Wie kann ich Illusion von Realität unterscheiden, Lüge von Wahrheit trennen, Wahnsinn von Vernunft, ohne Gedächtnis, ohne zuverlässige Sinneseindrücke?“ (Zitat aus Kapitel 31)Dies ist mein dritter Roman vom Autor Karl Olsberg nach „Mirror“ und „Das KALA-Experiment“.Jugendromane betrachte ich grundsätzlich argwöhnisch, manchmal ist eine solche Klassifizierung ein Indiz für unlogische Abläufe, oberflächlichen Weltenbau, schlechte Figurenzeichnung. Nicht so hier. Dies ist ein cooler, spannender, rundum unterhaltsamer und auch Erwachsene bestens zum Mitgrübeln einladender Nahe-Zukunft-Thriller um Identität, Wahrheit, Täuschung, Selbstbestimmung und Philosophie.Ich konnte mich gut hineindenken. Zwar hätte ich noch andere Fragen aufgeworfen, z. B. warum der Vater auf lange Sicht eine Interaktion mit der realen Welt unterbinden möchte. Auch hätte ich noch mehr Gefühlsregungen bevorzugt. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau. Für die Innenansichten eines 16-Jährigen ist alles authentisch. Dank einfacher Sprache sind die Abwägungen und Schlussfolgerungen stets nachvollziehbar. Es gibt Action und mehrere herausfordernde Überraschungen. An zwei Stellen nimmt die Handlung eine scharfe Wendung mit Wow-Effekt, die Sinn macht und zugleich schwer vorherzusehen war.Mir gefiel auch die bildhafte Einbindung der Klassiker „Der Herr der Ringe“ und „Alice im Wunderland“. Ich nehme an, wer diese nicht kennt, wird trotzdem gut mitgenommen.Sicherlich ein Thriller, den man so schnell nicht vergisst. Und gerade junge Leser dürften Wissen und Denkanstöße aus dieser Geschichte mitnehmen.