Während Läden anderer Branchen ziemlich austauschbar sind, ist (fast) jede Buchhandlung ein Original. Dementsprechend groß ist die Zahl der Motive, die sich dem in London lebenden Fotografen Horst A. Friedrich bietet. Und würde er seine Suche auch auf andere Kontinente als „nur“ Europa und Nordamerika ausdehnen, geriete es zu einer Herkulesaufgabe, zwölf Bilder für einen Monatskalender auszuwählen. Dennoch würde es mich freuen, wenn Herr Friedrich mal nach Afrika und Asien reisen würde, um dortige Tempel für Bücherfreunde zu fotografieren.Eine Vorauswahl gab es ja bereits, weil im Prestel Verlag 2020 „Buchhandlungen. Eine Liebeserklärung“ erschien. Aus diesem 256 Seiten umfassenden Schmuckstück stammen nämlich die zwölf Bilder für diesen Kalender. Die Angaben zu den ausgewählten Buchhandlungen sind so spartanisch, dass Neugierige noch googeln müssen, um mehr zu erfahren. Dafür hatten sich die Herausgeber entschieden, die Zitate von Schriftstellern in der Ausgabe 2024 durch Zitate von Menschen zu ersetzen, die einen engen Bezug zur jeweiligen Buchhandlung haben. Aus meiner Sicht keine besonders gute Idee, sind doch Literaten in der Regel die besseren Zitate-Lieferanten als Besitzer von Buchhandlungen oder deren Verwandte. Dem Klappen- oder Werbetexter ist die Neupositionierung der Zitate übrigens entgangen.Löblich, dass im Verlag niemand auf die Idee kam, von den schönsten Buchhandlungen zu sprechen. Denn die gibt es ja gar nicht. Aber wunderbar sind die zwölf Ausgewählten auf jeden Fall. Wahrscheinlich auch, weil sich alle rühmen können, unabhängig zu sein. Daher ist es für sie auch einfacher, Veranstaltungen zu organisieren, die Buchhandlungen zu Orten des kulturellen Lebens in einer Stadt oder einer Ortschaft machen.Mein Fazit: Hätte ich diesen Kalender schon im letzten Jahr entdeckt, wäre mein Bücherzimmer auch mit ihm geschmückt worden. Doch 2024 muss ihm ein alter Stich Platz machen. Nicht wegen der schön gedruckten kalendarischen Angaben oder den Zitaten, sondern einzig und allein wegen der Bilder. Sie werden mich jeden Monat daran erinnern, dass jede Buchhandlung einzigartig ist, mein Großvater Verleger und meine Mutter gelernte Buchhändlerin war. Ein Hoch der analogen Welt.