Werde ich Nelson Mandela kennenlernen? Ich treffe den weißen Jungen Hendrik in Südafrika. Dieser reist von der Insel aufs Festland, und es beginnt eine große Veränderung. Er verlässt die Kindheit, wo man alles so hin nimmt, und fängt an Fragen zu stellen. Stimmt das eigentlich, was sein Vater über Mandela sagt?Ich tauche in die Seele des Teenagers ein. In seiner Familie spürt der Junge mehr und mehr die Schieflagen. Die schwarze Hausangestellte. Das Schweigen. Auch Schläge. Doch erst durch seine neue Freundin fängt er an, nach Zusammenhängen zu fragen. Die Wahrheit über sein Land, auch über den berühmten Häftling, setzt sich wie ein Puzzle in seinem Kopf zusammen. Und ich tauche mit in die Geschichte von Südafrika ein. Ich erfahre Zahlen, Orte und Namen, aber vielmehr erlebe ich einen Prozess des Erkennens.Ich stehe mit Hendrik am Rande des Geschehens, so wie ich es als Europäerin ja wirklich bin. Ich werde abgeholt in meiner Ahnungslosigkeit. Und doch darf ich in die afrikanischen Alltäglichkeiten und Begriffe eintauchen, wie ein Kind, das implizit Verstehen lernt. Die Wärme des Erzählens, wie ich sie von Dagmar Petrick kenne, rührt wohl aus der Wahrhaftigkeit. Gefühle und Erkenntnisse tauchen auf - und werden schnell geerdet durch neue Ratlosigkeit, Scheitern und unermüdliche Versuche. So geht es Menschen beim Erwachsenwerden - und darüber hinaus.Nelson Mandela treffe ich nicht persönlich. Und doch laufe ich mit Hendrik los, begreife etwas über Widerstand, Beharrlichkeit und Versöhnung. Ich werde nicht nur warm, sondern wach, vom Herzen her.B. von Reinersdorff