Sollte ein Pastor nicht über den Glauben reden und schreiben? Sebastian Rink sieht das ganz anders. In seinem Buch „Unglaube“ nimmt er den/die Leser:in mit zu einem kurzen Streifzug durchs Neue Testament. Und zwar unter der Vorgabe, dass Unglaube zum Glauben gehört und umgekehrt. Statt ihm feindlich gesinnt zu begegnen lädt Rink seine Leser:innen dazu ein, den Unglaube als Teil des Ganzen zu begreifen.In neun Kapiteln entwickelt er eine andere, überraschend positive Sicht auf den Unglauben. Rink versteht es, in einfacher und klarer Sprache die Zusammenhänge der ausgesuchten Bibelstellen zu erläutern. Gleichzeitig entlarvt er sich und seine Leser:innen mit der ermutigenden Analyse, dass Unglaube ein wichtiger Teil unseres Glaubens ausmacht. Jedes Kapitel endet mit einem kurzen Fragebogen als Anregung, das Gelesene weiter zu vertiefen und in den persönlichen Lebensalltag zu übertragen. Angesichts der interessanten und neuen Blicke auf die unterschiedlichen Facetten des Glaubens/Unglaubens, hätten diese etwas tiefergehend ausfallen können.Mehr als einmal macht der Autor deutlich, dass er mit diesem Thema nicht abschließend fertig ist, sondern es im Zuge seines eigenen Glaubens immer wieder neu erlebt. So stehen Leser:innen am Ende des Streifzuges nicht vor einer klaren Definition von Unglaube, sondern einer vielschichtigen Sammlung unterschiedlicher Aspekte von Unglaube, die es als Teil des eigenen Glaubens anzunehmen und bei Bedarf zu verwandeln gilt.
Schon auf den ersten Seiten fällt die wunderschöne Sprache des Autors auf, seine theologische Sorgfalt und seinen lobenswerten Ansatz zu einer Ehrenrettung des Unglaubens. Für theologische Laien verständlich geschrieben, für "an Gott interessierte" Menschen inspirierend und für mich insgesamt ein sehr lohnenswertes Buch!
Sebastian Rink ist Pastor und gefeierter Star der liberalen Pastoren und Theologen im Bund Freier evangelischer Gemeinden. Bekannt wurde er durch seine Leugnung der Jungfrauengeburt und eine Predigt über Jesus und die Sünderin (Lukas 7,36-50), in der er Jesus ein sexuelles Verhältnis zu dieser Frau andichtete. Die Aussagen in „Unglaube“ kommen da nicht ganz ran, liberale Herzen werden sie dennoch erfreuen. Am Ende der Lektüre bleibt die Frage, warum sich der Autor noch in einer Freikirche zu Hause fühlt, die im Kern ein bibeltreues Profil hat. In der evangelischen Landeskirche wären seine Positionen wohl deutlich anschlussfähiger.