Die DuMont Kunst-Reiseführer „spielen“ in einer eigenen Liga. Es sind, wie der Titel verrät, keine Reisführer für Massentouristen, eher für Freund*innen von Kunst, Kultur, Geschichte und Architektur. Auf den ersten 61 Seiten des Buches „Ägypten und Sinai“ wird detailliert die Geschichte Ägyptens dargestellt, veranschaulicht mit 46 qualitativ hochwertigen Fotos. Auf weiteren 44 Seiten gewinnt der interessierte Leser beispielsweise profunde Erkenntnisse über das Alltagsleben der Pharaonen, Wesire, Schreiber, Soldaten, Bauern, Handwerker und Frauen. Äußerst illustrativ und für das Verstehen sehr hilfreich sind die vielen Zeichnungen von Göttern und Göttinnen (allein 10 Seiten), Thronnamen, Pyramiden-und Tempel-Querschnitten, Säulen, Kampfszenen. Allein das Wandrelief im Grab des Fürsten Paheri wird auf vier Seiten ausgebreitet. Dem Thema Religion und Götterwelt sind weitere 30 Seiten gewidmet, und die Themen Architektur, Kunst, Wissenschaft und Medizin werden noch einmal auf 24 Seiten behandelt. Der eigentliche „Reiseführer“ breitet auf 217 Seiten in geographischer Reihenfolge – von „Alexandria“ im Norden bis „Abu Simbel“ im Süden – einschließlich „Rotes Meer“ und „Sinai“ eine großartige Präsentation aller wesentlichen historischen Stätten, Tempel, Grabanlagen und Heiligtümer aus, vom Alten Reich bis zur Gegenwart. Präzise Lagepläne zu allen historisch bedeutsamen Orten machen die Orientierung zu einem Vergnügen: Kairo, Gizeh, Saqqara, Abydos, Dendera, Karnak, Luxor, Abu Simbel, Assuan, Philae, Kom Ombo, Edfu, Theben, Tal der Könige und zahlreiche andere. Mit akribischer Liebe wird nicht nur die exakte Position der Statuen und Reliefs in den Tempeln beschrieben, sondern sehr plastisch ihr Zustand und ihre Funktion im historischen Kontext. In den Randspalten ergänzen Zitate von Schriftstellern oder Historikern sowie kurze Texte zur Erklärung der Fotos die Fülle von Informationen. Wir finden dort auch Hinweise auf Beförderungsmöglichkeiten, Hotels und Restauranttipps. Weitere Reiseinformationen, ausführliches Verzeichnis der Karten und Grundrisse sowie Abbildungs- und Zitatnachweise finden wir im Anhang des kompakten Kunst-Reiseführers. Das neue Ägyptische Museum könnte eventuell nach acht Jahren eine Neuauflage des herausragenden Kunst-Reiseführers erforderlich machen. Was dem Buch m.E. gut täte, wäre ein Glossar kunstgeschichtlicher bzw. architektonischer Fachbegriffe, wie wir sie in den Italien DuMont Kunst-Reiseführern finden.Ergänzend nehme ich u.a. immer den Vis-à-Vis-Reiseführer von Dorling Kindersley mit wegen der prägnanten Texte und der Querschnitte durch die Bauwerke.
Es lohnt sich den ersten Teil des Buchs zur Geschichte Ägyptens und seiner Kulturen und Religionen durchzulesen, um sich vor der Reise mit dem Land vertraut zu machen. Erste optische Eindrücke vermitteln die Bilder ausgewählter Fundstücke; sie sind sicher hilfreich zur Vorbereitung eines Besuchs im Ägyptischen Museum.Dennoch sollte dieser Reiseführer besser zu Hause bleiben, denn die Beschreibung der eigentlichen Sehenswürdigkeiten ist mangelhaft. So werden zum Beispiel weder die Lage noch die Darstellung von Reliefen in Tempeln und Bildern in Grabkammern teils gar nicht, teils nicht in der notwendigen Weise beschrieben. Hinzu kommen inhaltlich falsche Sätze und Fehler im Layout. Alles in allem bleibt der Eindruck von viel weißem Papier mit wenig Text in einem unhandlichen Format.Ich verwende auf meinen Reisen in Ägypten weiterhin den Reiseführer Know-How Ägypten individuell. Gerade der Vergleich mit diesem kompakten Reiseführer, der auch das organisatorische Seite einer Reise gut abdeckt, zeigt, dass der Dumont-Kunstreiseführer Ägypten das Präfix "Kunst" höchstens für den erwähnten ersten Teil verdient.Meine Empfehlung: Eine gebraucht gekaufte oder in einer Bücherei geliehene, auch ältere Ausgabe des Dumont-Kunstreiseführer Ägypten sind ausreichend, um sich zu Hause vor Beginn der Reise über Land und Sehenswürdigkeiten erstmals zu informieren.