Für Lyrikerinnen der Barockepoche hat der poetische Traum eine geschlechtsspezifische
Bedeutung: Das Dichten über Träume kann schreibenden Frauen im 17. Jahrhundert gewisse Lizenzen
bieten. Inszeniert als Verbindungsmedium zu Gott oder als Ort der (Wieder-)Begegnung mit
geliebten Menschen erfüllt der Traum die Funktion eines erweiterten aber abgesicherten
Spielraums der die dichterische Entfaltung trotz sozialer sowie regelpoetischer Begrenzungen
ermöglicht. Die vorliegende Studie untersucht dieses Potenzial des poetischen Traums anhand
exemplarischer Gedichte deutschsprachiger Barocklyrikerinnen wie Margaretha Susanna von Kuntsch
und Maria Katharina Stockfleth unter besonderer Berücksichtigung des Geschlechter- und
Traumdiskurses der Zeit. Ein kontrastiver Vergleich mit ausgewählten Traumdichtungen von
Aemilia Lanyer Mary Wroth und weiteren englischsprachigen Zeitgenossinnen erlaubt hierbei eine
neue Akzentuierung des Blicks auf die Vertreterinnen des deutschen Sprachraums.