„...Nach vielen Jahren im hoffnungslosen Ermüdungszustand, begleitet von Mantras, an die wir nicht mehr glauben, habe ich mich auf die Suche nach den Wurzeln des Konflikts gemacht….“Der Autor, selbst Jude und in Israel geboren, beschäftigt sich mit den Nahostkonflikt. Er geht der Frage nach, wie das Zusammenleben in Zukunft funktionieren könnte. Um die Antwort darauf zu finden, führt er mich, nach einer Beschreibung seiner Kindheit, zuerst in die Vergangenheit. Er will wissen, wo die Wurzeln der Auseinandersetzung liegen. Dabei spielen zwei Jahre immer wieder eine entscheidende Rolle: Das ist zum einen 1948.„...Nakba steht für den Land- und Heimatverlust der arabischen Bevölkerung. Kein Ereignis prägt die Palästinenser mehr. In vielen Hinsichten ist Nakba die Geburtsstunde der palästinensischen Identität….“Zum zweiten ist es das Jahr 1967. Seitdem ist die Gegend geprägt von Krieg und Gewalt.Den größten Teil des Buches nehmen die Reisen des Autors ein. Mal ist er allein unterwegs, mal mit Freunden. Das sind sowohl Juden als auch Araber. Dabei kommt es ihn auf die Gespräche mit den Menschen an. Er möchte ihre Stellung zum Konflikt und zu einer möglichen Lösung wissen.Ein junger Jude zum Beispiel äußert:„...Ich bin optimistisch. Am Ende wird es hier keine Zäune geben. Wir werden sie nicht mehr brauchen, wenn wir lernen, miteinander zu leben. Aber das kann auch noch dauern….“Mir war nicht bewusst, dass Israel auch im Innern von Grenzen geprägt ist und dass man je nach Volkszugehörigkeit nur bestimmte Gegenden betreten darf. Bei Palästinensern ist es dabei völlig egal, ob sie sich zum Islam oder zum Christentum bekennen. Sie haben nur eingeschränkte Rechte. Ein Palästinenser aus Ostjerusalem hat den Antrag auf Einbürgerung gestellt. Den Weg zu gehen, heißt auch, bei Nachbarn auf Misstrauen zu stoßen. Um so bitterer ist es, wenn man abgelehnt wird. Hier ist seine Reaktion:„...Ich habe an Gleichberechtigung geglaubt, an die Demokratie. Aber jetzt weiß ich, dass es hier Demokratie nur für Juden gibt...“Überrascht hat mich außerdem eine andere Antwort:„...“Bist du nicht lieber Palästinenser als Israeli?“ fragte ich ihn direkt. „Schau, ich“, sagte er langsam und legte seine Hand auf die Brust, „ich bin Beduine. Wir waren hier lange vor allen. Wir sind Araber, die wahren Araber. Ich bin kein Palästinenser und kein Israeli.“...“Was in der Politik nicht funktioniert, klappt in einigen Gegenden dagegen in der Wirtschaft schon bestens. Auch unter den Palästinenser bildet sich eine Mittelschicht heraus, die in wirtschaftlichen Belangen von den israelischen Erfolgen lernt.Die vielfältigen Gespräche des Autors und die Beschreibung seiner Erlebnisse zeichnen ein völlig neues Bild des Landes. Gleichzeitig zeigen sie, dass die Zweistaatenlösung wohl eine Utopie bleiben wird. Konsequent listet der Autor am Ende mögliche Zukunftsszenarien mit ihrem Für und Wider auf.Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es zeigt, dass die europäische Sicht der Dinge nicht immer der Realität entspricht. Schwarz – Weiß – Denken hilft nicht weiter.
Assaf Zeevis Buch lässt sich in drei Teile gliedern: In Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Konflikts. Im ersten Teil informiert der Autor faktenbasiert, nüchtern und unparteiisch über die Geschichte - von den Anfängen des Zionismus über die Staatsgründung Israels und die Nahostkriege bis hin zur Gegenwart. Ab den 80er Jahren wird diese Geschichtsdarstellung durch die persönlichen Erfahrungen des Autors bereichert. So werden die Zahlen, Daten und Fakten lebendig und man taucht in das Israel der 1980er und 90er Jahre ein.Diese detaillierte Schilderung der Ereignisse bildet eine solide Grundlage für den zweiten Teil, in dem man mit dem Autor auf eine Reise kreuz und quer durchs „heilige Land“ mitgenommen wird. Hier nutzt der ausgebildete Reiseleiter seine Kontakte und seine Fähigkeit mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Man lernt viele verschiedene Menschen aller Lager kennen und mit ihnen Ihre Geschichten, ihre Nöte und Verletzungen, aber auch ihre Wünsche und Hoffnungen. Durch diese Vielzahl an Perspektiven und Geschichten wird der eigene Blick auf den Nahostkonflikt geweitet und vertieft. Die Konfliktparteien bekommen Gesichter und Namen. Das erdet, und führt zu lösungsorientiertem, praktikablem, Denken.Wer denkt, dass der Autor einseitig „pro-Israel“ schreibt, der irrt. Man merkt, dass Assaf Zeevi intensive Freundschaften zu Palästinensern, Beduinen und Arabern pflegt und sich eine friedlichere, menschlichere Lösung für alle Bewohner des Landes wünscht.Das wird im ganzen Buch deutlich, konkretisiert sich aber im Dritten Teil, in dem ein Entwurf möglicher Strategien, mit denen man sich diesem Ziel annähern könnte, skizziert wird.Dieses Buch ist im Deutschsprachigen Raum eine Besonderheit. Es wurde von einem Autoren verfasst, der in Israel aufgewachsen ist, Hebräisch und Arabisch beherrscht und das Land und seine Bewohner wie nur wenige kennt. Gleichzeitig hat er so gut Deutsch gelernt, dass sein Sprachniveau dem eines gebildeten und sprachlich begabten Muttersprachlers entsprechen dürfte. So kulminieren eine aussergewöhnliche Kenntnis der Lebensrealität der Israelis/Palästinenser, eine gute Sprachgewandtheit und der Wunsch nach mehr Menschlichkeit in diesem tollen Werk, das durch dezenten Humor abgerundet wird. So etwas bekommt man für gewöhnlich nur als Übersetzung, worunter oft die Schönheit der Sprache leidet, oder von einem Unbeteiligten, der dann aber meistens nicht in vergleichbarer Weise weiß, wie die Realität vor Ort aussieht und wie die verschiedenen Menschen denken.Im übrigen ist zu bemerken, dass das Buch von guter Papier- und Druckqualität ist, super konzipiert, und logisch strukturiert wurde.Das Geld und die Zeit sind in dieses Buch bestens investiert! Ein MUSS für jeden, der den Nahostkonflikt besser verstehen möchte und lesen kann!Bevor man zum eigentlichen Inhalt kommt, stösst man auf eine Seite auf der nur „Für die Menschlichkeit“ steht. Ich kann aus voller Überzeugung sagen, dass der Autor diesem Motto gerecht geworden ist.