Mit großem Einfühlungsvermögen wird in diesem Bildband auf das Spätwerk bekannter Künstler und einer bekannten Künstlerin hingewiesen, das in vielen Fällen deutlichen Veränderungen des bildnerischen Ausdrucks unterlegen ist. Demenz oder Altersschwäche, nachlassendes Augenlicht oder ein Leben im Rollstuhl können dazu führen, dass Themen, Techniken und Arbeitsbedingungen neu gedacht werden müssen. Aber auch neuartige Erfahrungen, wie Flugzeugreisen oder das Aufarbeiten früher, bislang nicht berücksichtigter Ideenskizzen können zu Neuschöpfungen führen. Auch ein lebensgefährdendes Kunstprojekt lässt letzte Bilder aufscheinen, wenn die Überquerung des Atlantiks im Einmann-Segelboot nicht gelingt oder der Freitod auch ins Konzept eingebunden ist. Ein hochinteressantes, lange überfälliges Thema also in einer Gesellschaft, die zunehmend altert und erschwerte Lebensbedingungen vorfindet.Auch Künstler und Künstlerinnen werden hilfsbedürftiger. So stellt sich die Frage, inwieweit ein in geschwächtem Zustand oder gar mit Unterstützung erstelltes Werk noch als Kunst gelten kann und darf. Der vorliegende Bildband weist am Beispiel prominenter Künstler und einer Künstlerin nach, dass gerade der Wandel zu einer neuen Leichtigkeit oder Reduktion, zu einer neuen Offenheit und Experimentierfreude, ja zu einer neuen Weltsicht führt, die bemerkenswert ist und der Aufmerksamkeit eines interessierten Publikums bedarf. Eine sehr positive Sicht, wie ich finde, die sich in den knappen aussagekräftigen Texten, wie auch den hervorragenden Reproduktionen der Kunstwerke spiegelt. Ein überfälliges Thema wird hier bestens vorgetragen. Ich kann dieses Buch jedem Kunstliebhaber empfehlen, denn es eröffnet die Möglichkeit, auch bekannte Meister neu zu entdecken. Der einzige Kritikpunkt, den ich anbringen möchte: Mich hätte auch das Spätwerk ausgewählter Künstlerinnen interessiert. Giorgia O`Keeffe ist die einzige, die hier vertreten ist.