Chagall bis Malewitsch: Die russischen Avantgarden, Hirmer 2016Dem Hirmer Verlag gelang mit diesem Band ein faszinierender Einblick in den Stilpluralismus der Russischen Avantgarde im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Der Katalog entstand im Zuge der Ausstellung der Wiener Albertina in Kooperation mit dem Staatlichen Russischen Museum in Sankt Petersburg, die vom 26. Februar - 26. Juni 2016 stattfindet.Zunächst wird mit Albrecht Schröder ins Thema eingeführt. Es folgen Beiträge von Evgenia Petrova, die sich mit „Vielfalt der russischen Kunst im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts“ beschäftigt, ein Beitrag von Helmut Altrichter, der sich mit „Politik und Kunst im revolutionären Russland“ beschäftigt und dabei vor allem auf Plakatkunst eingeht. John E. Bolt kann mit seinem Beitrag „Hinter den Spiegeln“, der vor allem die Reflexion aber auch Selbstreflexion der Avantgardisten diskutiert, neue bisher wenig beachtete Erkenntnisse liefern, bis Boris Groys abschließend in „Die russische Avantgarde: Eine Krankengeschichte“ einen historischen Zusammenhang zwischen künstlerischer und politischer Revolution liefert.Im Werkteil, in welchem Künstler von Chagall bis Malewitsch, aber auch weitere bekannte Künstler wie Rodtschenko, Kandinsky oder Tatlin ihren Platz finden, erhält man einen umfassenden und sehr spannenden Einblick in die Welt der Avantgardisten. Es werden sowohl kurze biografische Hinweise zu den Künstlern geliefert, als auch wichtige Informationen zu den einzelnen Stilrichtungen.Aber auch konstruktivistische Architektur kommt nicht zu kurz. Beispielsweise wird der sog. „Tatlinturm“, das Denkmal zur dritten Internationalen 1919/20, als eine nicht realisierte russische Utopieplanung vorgestellt.Im Allgemeinen besticht der Band durch eine sehr gute Konzeption, hochwertige Abbildungen und renommierte Autoren, wie Helmut Altrichter, oder Boris Groys, die ohne Zweifel Größen der russischen und Kunst des 20. Jh. sind.Der Band ist sowohl für Kunstinteressierte als auch für wissenschaftliche Zwecke geeignet. Die Beiträge sind verständlich geschrieben, aber dennoch mit Anmerkungen versehen, sodass eine Einbettung in Studienarbeiten problemlos möglich ist.Besonders hervorzuheben ist das Glossar, das Begriffe und Namen zur Russischen Avantgarde aufführt und erläutert. So sind Fachbegriffe einfach nachzuschlagen. Ein umfangreiches Werkverzeichnis rundet den Katalog ab.
Die Russische Avantgarde gehörte zu den vielseitigsten und radikalsten Kapiteln der Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zu keinem anderen Zeitpunkt der Kunstgeschichte wurden so viele Schulen und Künstlervereinigungen gegründet wie in Russland zwischen 1910 und 1920. Namen wie Chagall, Kandinsky, Lissitzky, Malewitsch oder Rodtschenko sind heute noch weltweit bekannt und geschätzt, ihre Werke findet man in zahlreichen Mu-seen und Sammlungen.Die Wiener Albertina präsentiert nun in Kooperation mit dem Staatlichen Russischen Museum in Sankt Petersburg eine umfassende Ausstellung (26. Februar - 26. Juni), die, er-gänzt durch zahlreiche Leihgabe aus verschiedenen Museen, die Vielfalt dieser Kunst-epoche dokumentieren soll. Die ausgestellten 140 Meisterwerke demonstrieren dabei die grundverschiedenen Stile, Gestaltprinzipien und ästhetischen Ideen.Im Hirmer Verlag ist der umfangreiche Begleitkatalog zu dieser Ausstellung erschienen, der neben den Werksabbildungen und anderen historischen Abbildungen auch durch fünf kunsthistorische Essays von renommierten Kunstwissenschaftlern zu punkten weiß. Dabei werden besonders die gegenseitigen Einflüsse und Konflikte zwischen den einzelnen Künstlern und Künstlergruppen beleuchtet.Zunächst gibt Klaus Albrecht Schröder aber eine kurze Einführung in die Ausstellung. Dann setzt sich Evgenia Petrova mit der „Vielfalt der russischen Kunst im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts“ auseinander - von Konstruktivismus bis zum neuen Realismus. Helmut Altrichter behandelt in seinem Essay „Politik und Kunst im revolutionären Russland“ vor allem die Plakatkunst der russischen Avantgardisten. In „Hinter den Spiegeln“ macht John E. Bowlt auf das Phänomen der Reflexion (auch Selbstreflexion) bei den Künstlern der russischen Avantgarden aufmerksam. Abschließend beleuchtet Boris Groys in „Die russische Avantgarde: Eine Krankengeschichte“ den Zusammenhang zwischen künstlerischer und politischer Revolution.Der eigentliche Katalogteil (immerhin 230 Seiten) präsentiert dann in großformatigen (meist ganzseitigen) Abbildungen die ausgestellten Werke, wobei es zu einzelnen Werken neben den kurzen Werksinformationen noch weiterführende Erläuterungen gibt. Dazu Kurzbiografien der russischen Avantgardisten. Im Anhang finden sich dann noch Erklärungen zu einigen Begriffen und Namen der russischen Avantgarde. Insgesamt ein sehr ansprechender Katalog, der eine sehr ausführliche Darstellung dieser Kunstepoche ist. Außerdem eine hervorragende Papier- und Druckqualität.