Die Moderne wurde modern, als sich avantgardistische Strömungen von der kanonisierten bürgerlichen Ästhetik emanzipierten. Definiert hat diese Alexander Grau in seinem Buch "Kulturpessimismus" als Synthese aus Fortschritt und Bewahrertum. Was sich nach dem Ersten Weltkrieg aber durchsetzte, war, im Bereich der Architektur, die Realisierung funktionalistischen Bauens in klonierten Ausprägungen. Ein Wortungetüm wie "Wohnmaschine" stammt vom Stadtplaner, Architekten und Sozialutopisten Le Corbusier, einem der radikalsten Apologeten von Zerstörung, Neuaufbau und Vermassung im Zeichen einer schönen neuen Welt.Insofern stimmt der Titel etwas nachdenklich, denn an die von Fritz Lang im Film Metropolis verfilmte Dystopie gemahnen die Fotografien von Niels Lehmann überhaupt nicht. Im Gegenteil: Diesseits der von Gropius, Le Corbusier oder Mies van der Rohe gezogenen ästhetischen Bruchlinien geben die drei vom emsigen Architekten und Fotografen Lehmann dokumentierten Bände über expressionistische Architekturen noch einmal Zeugnis vom traditionell geprägten Geschichts-, Form- & Proportionsbewusstsein damaliger Baumeister, aber auch von einer spätbürgerlichen Ästhetik, die ganz im Sinne eines romantisch-subjektiven Künstlerselbstverständnisses nach "Tiefe" und "Ausdruck" strebte. So schrieb der Theoretiker Adolf Behne:"Der expressionistische Architekt steigt in das Wesen seiner Aufgaben ganz tief und ganz gespannt hinab [...]. Ihm ergibt sich alles aufs neue vom Grund aus, er schafft ganz von innen. Notwendig ist ihm jede Form etwas Einmaliges, weil niemals bei einer neuen Aufgabe genau die gleichen Bedingungen wiederkehren können."Dass sich dieses Kunstverständnis zunehmend auch in nationalen Baustilen äußerte wie die polnische "Weichselgotik" oder den tschechischen "Rondokubismus", ist eigentlich eine Marginalie, doch Gesine Schwans progressive Vereinnahmungsversuche im Vorwort werden durch die damalige architektonische Praxis widerlegt. Bürgerlichkeit und das Bekenntnis zum Eigenen und zum Nationalstaat gingen Hand in Hand.Die Bauten von Jan Kotera, Josef Gocar sind Dokumente des Überhangs und des Übergangs, aber auch ästhetischer Demarkationslinien. Diese gingen durch die Künstlerbiografien selbst, so etwa bei Josef Gocar, der in den Zwanziger Jahren zu einem Parteigänger funktionalistischen Bauens wurde. Das Wissen um die Brüche macht den Band "Fragments of Metropolis" aber gerade so wertvoll und lässt ihn Zeugnis ablegen von der gebauten Schönheit am Ende der letzten europäischen Hochkultur.