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Karlheinz Schmiedel - Buchliebhaber
02.06.2023
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Seit Anbeginn hat sich der Mensch mit Tieren bildnerisch auseinandergesetzt. In frühen Höhlenmalereien bannt er sie auf die Wände, um Macht über sie zu gewinnen. Gleichzeitig beginnt die Domestizierung und Vertrautheit im Miteinander. Seefahrer schmücken den Bug ihrer Schiffe mit Tierköpfen, deren Blick böse Geister besänftigen soll. Bei den Alten Ägyptern, bei Hindus, Azteken und anderen Gruppen werden Tiere zu Gottheiten. Adler, Löwen, Bären und weitere werden Wappentiere. Kleinplastiken in Tiergestalt sind Spielzeug. Die Beziehungen zwischen Mensch und Tier werden immer vielgestaltiger. Zunehmend werden Tiere rein künstlerisch erarbeitet, so in den Friesen des Ischtartores, den Prachtstraßen der Khmertempel, vor Palästen und Sakralbauten.In Klassik und Moderne wird die Vielzahl an Formen und Darstellungsweisen schier unüberschaubar. Das Spektrum reicht von Dürers Rhinozeros über die zarten Gebilde der Renée Sintenis bis zu einem Hund aus magentafarbenem Stahlblech von Jeff Koons, der sogar Eingang in das Schloss von Versailles fand.Der vorliegende Katalog ehrt den Maler und Bildhauer August Gaul (1869-1921), der sich fast ausschließlich mit der Darstellung von Tieren befasst hat. Im Vorwort wird eine weitere Beziehung herausgestellt: Die Verbindung zu Unbill und Krankheit, verursacht durch Tiere. Abgesehen von Ratten, die die Pest verbreiteten, wird auf Märkte in China verwiesen, von wo die derzeitige Pandemie die Menschheit überwältigt. All diese Betrachtungen und Erkenntnisse fanden Eingang in eine Gedächtnisausstellung von August Gaul, die noch bis zum 24. Oktober 2021 im Kunstmuseum Bern zu bestaunen ist.Das umfangreiche Material wurde zur besseren Übersicht in sieben Kapitel gegliedert: Kultivierte Tiere, Tierliebe und Tierschutz, Tierische Verwandtschaft, Tierverhalten, Koloniale Tiere, Tiere im Krieg & Tiere in Bewegung, Tiere und Technik. So kann sich der Besucher der Ausstellung und der Leser des Katalogs seine Lieblingsthemen heraussuchen.August Gaul hat sein ganzes Leben den Tieren gewidmet. Durch eine Freikarte zum Berliner Zoo kam er täglich mit ihnen in Kontakt und hat wieder und wieder ihre Formen und Bewegungen studiert. Das Ergebnis ist eine umfangreiche Sammlung faszinierender Plastiken vom natürlichen, fast schwebenden Strauß bis hin zu seinem Alterswerk, dem abstrakt aus Stein gemeißelten Orang Utan.Ein beeindruckendes Gesamtwerk!Karlheinz Schmiedel