Heinz Dürr:Alter Mann, was nun? Zwischenrufe aus der letzten ReiheLangen Müller, München 2020Wenn jemand, der in seinem Leben in unterschiedlichen Verantwortungen viel erreicht hat, in einem Buch zurückblickt, lohnt sich die Lektüre. Dies ist besonders dann der Fall, wenn ein solcher Rückblick keine überschwängliche Laudatio auf sich selbst ist, sondern wertvolle Erfahrungen preisgibt und Einsichten vermittelt, die für junge Menschen fruchtbar sein können.Heinz Dürr erinnert sich in 20 Themenkreisen an Begebenheiten in Politik und Wirtschaft, deren Teil er war. Für jüngere Manager*innen, die dem US-amerikanischen Führungsstil huldigen, besonders wichtig: Er macht nicht nur die Bedeutung integren Handelns und konstruktiver Netzwerkarbeit kristallklar, sondern verkörpert auch eine Lebenseinstellung, nach der man sich selbst nie wichtiger nehmen sollte als andere Menschen, die sich, aus welchen Gründen auch immer, mit völlig anderen Lebensbedingungen arrangieren müssen.Schon der Prolog würde es verdienen, Gegenstand eines fakultätsübergreifenden Seminars für Studierende der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zu sein: Heinz Dürr war zur Zweihundertjahrfeier der Humboldt-Universität zu Berlin eingeladen und kam zum Veranstaltungsort. Dort suchte er – wie gewohnt – bei den für wichtige Persönlichkeiten reservierten Plätzen in der ersten Reihe nach seinem Namen. Er fand ihn aber nicht – er war offensichtlich nicht mehr als „very important person“ eingestuft worden. Da der Saal schon ziemlich voll war, fand er noch einen Platz in der letzten Reihe, mit schlechter Akustik und ohne interessante Sitznachbarn. Diese völlig neue Situation führte ihn zur Reflexion „Alter Mann, was nun?“.Heinz Dürr hatte es in seinem Leben als Unternehmer, Manager und Vorstandsvorsitzender mit vielen Menschen zu tun: mit Arbeitern und Angestellten, mit Führungskräften der Wirtschaft und der Gewerkschaften, mit Politikern wie Helmut Schmidt und Helmut Kohl und vielen anderen. Das angeführte Namensregister liest sich wie das „Who is Who“ der Deutschen Wirtschaft und Gesellschaft der siebziger bis neunziger Jahre. Seine Grundeinstellung, dass wirtschaftliches Handeln eine „gesellschaftliche Veranstaltung“ sei, führte viele Male dazu, dass er mit persönlichen Gesprächen und ehrlichem Meinungsaustausch in der Lage war, verhärtete Positionen aufzulockern und Vertrauen über die üblichen von Funktionären gezogenen Grenzen hinaus zu schaffen. Wertegeleiteter Pragmatismus, aufgeklärte Kompromissfähigkeit und die Überzeugung, dass mit Vernunft und gutem Willen die meisten komplizierten Probleme einer Lösung nähergebracht werden können, sind Einstellungen, die in einer durch Corona gebeutelten Welt bitter vonnöten sind.Die in Heinz Dürrs Buch zur Sprache kommenden Sachverhalte sind hoch aktuell. Insbesondere die Ausführungen über künstliche Intelligenz sowie über die Themenkomplexe Klimawandel und Energiewende verdienen sorgfältiges Lesen. Sein – im Vorgriff auf die Möglichkeit des Beamens organisiertes – Gespräch mit Cato dem Älteren über das Alter ist ein hervorragendes Beispiel, Tiefsinn mit Augenzwinkern zu vereinen.Kurz: ein lesenswertes Buch über Einsichten und Ansichten eines gelungenen Lebens – aber kein Nachruf, denn von einem solchen „alten Mann“ ist noch viel zu erwarten.Klaus M. LeisingerDezember 2020
Fast hätte man ihn schon vergessen, den ehemaligen AEG-Chef, Daimler-Manager und Bahn-Boss. Dieses Buch von Heinz Dürr lohnt sich für alle halbwegs Wirtschaftsinteressierten, und nicht nur für die. Schön zu sehen, welche tiefgründigen Gedanken sich dieser weit gereiste Unternehmer über die Welt macht. Unaufgeregt und weise. Außerdem verrät er seinen Tipp, woran man gute Manager erkennt: Schaut auf die Handschrift, empfiehlt Dürr. Vor jeder wichtigen Besetzung hat er Graphologen eingeschaltet.