Es gibt ja immer solche Handlungen, die man im Umgang mit (Un-)Toten einfach nicht macht. In den Keller gehen, wenn das Gespenst ums Haus schleicht zum Beispiel. Und Gräberrücken sollte man auch nicht, schon gar nicht, wenn man vorher gewarnt wird. Im Gruselkabinett sind ja schon einige Verstorbene wieder aus ihrem Ruhelager gekrochen, dennoch sind die Geschichten auf ihre Weise immer neu und immer spannend. So ist es auch bei dieser längst überfälligen und von mir heiß ersehnten Vertonung des Klassikers von F. G. Loring.Helmut Zierl hatte inzwischen ja schon unterschiedlichste Rollen bei Titania Medien und gibt hier der Hauptfigur Harry Latimer seinen individuellen Charakter. Ich denke dann sofort an Jeff Goldblum, den ich ohnehin sehr gerne sehe und dem Zierl ja regelmäßig seine Stimme leiht, und lasse mich dann einfach von ihm durch die Handlung führen. Als zweite tragende Stimme wurde Jonas Minthe verpflichtet, mit dem ich mich ebenfalls sehr gut identifizieren kann. Die Vampirin wird von Ursula Wüsthof dargestellt, was mich zunächst in Verbindung mit der jungen bildschönen Vampirin auf dem Booklet ziemlich verwunderte. Tatsächlich ist es jedoch vollkommen logisch und könnte nicht besser besetzt sein. Ich möchte an dieser Stelle nicht spoilern und insofern nicht mehr verraten.Die Spannung ist düster, subtil und beklemmend und steigert sich unaufhaltsam. Unterstützt wird dies durch die wie immer passend arrangierte Geräuschkomposition und pointiert eingesetzte Musik. Das Hörspiel bietet keinen Hau-drauf-Grusel mit Splatter-Effekten und großem Bohei, sondern atmosphärischen Grusel, den man sich umso eher auch heute noch in einer einsamen und vergessenen Gruft vorstellen könnte. Umso besser gelingt die Identifikation mit den Figuren und das Eintauchen in die Handlung. Ein Fest für Gruselfreunde!
★★★★★
Poldis Hörspielseite
12.06.2023
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Seit zahllosen Jahren steht ein pompöses Grabmal inmitten einer Kirche – unbewegt und ungeöffnet. Als die Kirche restauriert werden soll, muss auch die pompös verzierte Grabplatte verschoben werden. Dabei wirken die eindringlichen Warnungen, die darauf eingraviert sind, zwar merkwürdig, die Gruppe um Harry Latimer öffnet dennoch das steinerne Grab – und stößt damit die Tür zu ihrem Verderben auf…F. G. Loring hat mit „Sarahs Grabmal“ eine Geschichte geschrieben, die insbesondere im englischsprachigen Raum zu einem kleinen Klassiker der Gruselliteratur geworden ist. Und so war es im Prinzip nur eine Frage der Zeit, bis diese auch für das „Gruselkabinett“ von Titania Medien adaptiert wird – mit Episode 182 ist dies nun so weit. Eine kleine Rahmenhandlung läutet die Geschichte ein, in der auf ein Tagebuch eingegangen wird, der Hauptteil der Episode ist aber dialogisch erzählt und berichtet von den Ereignissen um die alte Kirche und das darin enthaltene Grabmal. Und dabei ist es für die Zuhörenden zwar keine große Überraschung, welche übernatürliche Erscheinung hinter den unheimlichen Ereignissen steckt, aber wie diese aufersteht, ihr Unwesen treibt und schließlich bekämpft wird, ist sehr unterhaltsam zu hören. Ich mag, wie sich die Handlung dabei langsam entwickelt und so ihren ganzen Schrecken entfalten kann. Wieder braucht es keine Knalleffekte, um für eine schaurige Stimmung zu sorgen. Die oft nicht einmal greifbare Bedrohung, die Möglichkeit, dass etwas Schreckliches passieren könnte, die Schatten, die sich immer weiter auftürmen: Das sind die besonders reizvollen Momente. Dabei kommt das Ambiente der damaligen Zeit sehr gut zur Geltung und verleiht auch dieser Umsetzung einen besonderen Reiz.Helmut Zierl ist in der Rolle des Harry Latimer zu hören, dem er eine große Präsenz verleiht. Dabei verleiht er seiner Figur nicht nur eine eingängige Sprechweise, sondern auch einige interessante Facetten, die besonders in den unheimlichen Momenten gekonnt hervortreten. Als Somers ist Jonas Minthe zu hören, der sich überzeugend an die dichte Szenerie anpasst und die gehobene Sprache authentisch und lebendig klingen lässt. Als Gräfin Sarah sorgt Ursula Wüsthof für einige sehr ausdrucksstarke Szenen, ich mag ihr geheimnisvolles Auftreten und die vielen Untertöne, die sie in ihre Stimme einfließen lässt. Auch Horst Naumann, Peter Weis und Marlene Bosenius sind zu hören.Das Team von Titania Medien hat auch hier wieder eine sehr dichte Atmosphäre geschaffen, die sich eng um die verschiedenen Szenen legt. Da die Erzählweise hier eher ruhig ist, sind die vielen begleitenden Melodien auch dezent. In den richtigen Momenten verdichtet sich die Musik aber auch und gewinnt mehr Energie. Auch die Geräuschkulisse weiß erneut zu überzeugen und macht einen sehr fein abgestimmten Eindruck.Strahlend, fast von Innen heraus leuchtend, ist Sarah in einem schlichten, weißen Kleid zu sehen, lediglich die spitzen Zähne in ihrem Mund stören die ätherische Schönheit mit ihrem Lächeln. Der Hintergrund ist ebenso gelungen: Dort ist natürlich ihr recht verziertes Grabmal zu sehen, aber auch die gotischen Bogen und die Buntglasfenster der Kirche sind sehr ansehnlich geraten.Fazit: „Sarahs Grabmal“ ist eine ruhig erzählte Geschichte, deren Spannungsbogen sich langsam entwickelt. Dafür werden die verschiedenen Stationen der Handlung sehr intensiv beschrieben und entwickeln dabei einen markanten Ausdruck. Das Ambiente und die wie immer hervorragenden Stimmen ergänzen den positiven Eindruck der Episode noch weiter.