Jacobi sei so Fichte 1801 der 'mit Kant gleichzeitige Reformator in der Philosophie'.
Tatsächlich entwickelt Jacobi in den 1780er Jahren eine eigenständige Vernunftkritik die für
die nachkantische Philosophie von großer Bedeutung ist. Denn bereits die Briefe 'Über die Lehre
des Spinoza' (1785 ²1789) vertreten eine komplexe Doppelphilosophie: Jacobi verteidigt zum
einen die Philosophie Spinozas als Paradigma einer streng systematisch-rationalen Philosophie.
Zum anderen aber zeigt er ihre prinzipielle Unfähigkeit die für das menschliche Dasein und
dessen lebensweltlichen Realismus fundamentale Gewissheit aufzuschließen frei Handelnde zu
sein. Diese Überzeugung ist nach Jacobi vielmehr allein im 'Gefühl' und als 'Glaube' gegeben
und erfordert daher eine Philosophie anderen Typs. Vor diesem systematischen Hintergrund
verfolgt das Gespräch 'David Hume über den Glauben oder Idealismus und Realismus' (1787) ein
doppeltes Anliegen: erstens die Verteidigung von Jacobis eigener Position eines 'entschiedenen
Realismus' gegen seine Fehldeutung als religiöser Fideismus und zweitens die Prüfung von
Jacobis Rationalitätskritik an der Philosophie Kants. Die zum 'David Hume' gehörende Beilage
'Ueber den transzendentalen Idealismus' bietet dabei eine bis heute einflussreiche
Auseinandersetzung mit Kants Lehre vom 'Ding an sich'. Durch die ironische Zuspitzung der
Transzendentalphilosophie zum 'kräftigsten Idealismus' nimmt Jacobi zugleich den Grundgedanken
von Fichtes Wissenschaftslehre vorweg. Sein Verhältnis zur Wissenschaftslehre klärt Jacobi
schließlich im Brief 'Jacobi an Fichte' (1799). Unter dem Stichwort des 'umgekehrten
Spinozismus' bzw. des 'Nihilismus' analysiert er diese als eine ebenso paradigmatische Form
rein-rationaler Philosophie und insistiert dagegen erneut auf den philosophischen Primat der
rational nicht zugänglichen jedoch im Handeln unmittelbar erfahrbaren Daseins- und
Realitätsgewissheit.