Was Charles de Bovelles mit dem 'Liber de sapiente' (1511) geschaffen hat ist eine Meditation
über die Welt aus dem Blick eines Philosophen und Mystikers die das Denken der Renaissance auf
einzigartige Weise zusammenfasst und wie in einem Kaleidoskop aufzeichnet. Das 'Buch über den
Weisen' ist ein schriftliches Gemälde das die darin imaginierte und aus einer langen Tradition
herrührende Ordnung der Welt in der Vorstellung der Renaissance mit hellen Farben zu zeichnen
versucht. Ernst Cassirer nannte das Buch die 'vielleicht merkwürdigste und in mancher Hinsicht
charakteristischste Schöpfung der Renaissance-Philosophie ... Altes und Neues Überlebtes und
Zeugungskräftiges (finden sich) auf so engem Raume nebeneinander'. Der Weise ist in Bovelles
Augen ein Mensch der alle seine in ihm liegenden Anlagen in einem immerwährenden geistigen und
sittlichen Streben nach der Erkenntnis entfaltet und zum Göttlichen hin transzendiert. Er ist
somit 'der sich selbst erkennende Mensch' der 'für die Welt so notwendig [ist] wie die Seele
für den Körper'. Cassirer war von Bovelles so beeindruckt dass er eine von seinem Schüler
Raymond Klibansky besorgte Edition des lateinischen Textes seiner Studie 'Individuum und Kosmos
in der Philosophie der Renaissance' (PhB 650) anfügte die hier Vorlage für den lateinischen
Originaltext ist.