soll Keith Jarrett gesagt haben, als er diese Noten in Händen hielt.Eigentlich wollte er ja keiner Veröffentlichung von Transkriptionen mehr zustimmen. Seine Musik sollte dem Moment ihres Entstehens verhaftet bleiben, und außerdem war er mit der Rezeption der Transkription seines Köln Konzertes nicht zufrieden. Niemand habe es jemals aufgeführt.Aber wer spielt auch eine abendfüllende Improvisation dieses Meilensteins der Jazzgeschichte nach!?Die Melody-Recordings sind anders. Diese Musik liegt auf dem schmalen Grat, der die Gebundenheit der klassischen Musik mit der Freiheit des Jazz verbindet. Daher ist es sehr zu begrüßen, dass sie nun als Transkription vorliegen.Friedrich Grossnick gelingt es meisterhaft, diese Stücke so präzise wiederzugeben, dass sie die Eigenart von Jarretts Spielweise in allen Nuancen zeigt. Man kann dem Meister förmlich über die Schulter blicken, kann sehen, wie er melodische Linien aufbaut, Bässe kontrapunktisch setzt und Harmoniewechsel einleitet. Eine durchgängige Harmonisierung erleichtert die Lektüre und das Spiel. Gerade diese Stücke zeigen auch, wie stark Jarretts musikalisches Denken der musikalischen Klassik verhaftet ist. Dem Schott-Verlag ist dafür zu danken, dass er seine hauseigenen Vorgaben zur Notation hinter die Genauigkeit von Grossnicks Schreibweise zurückgestellt hat. Der Leser bzw. Spieler profitiert davon.Es ist ein Notenbuch, das in keiner Sammlung jazzliebender klassischer Pianisten und Klassik liebender Jazzpianisten fehlen darf. Die Songs können Eingang ins Repertoire fortgeschrittener Pianisten beider musikalischer Stile finden - und mit Sicherheit wird das eine oder andere Stück auch aufgeführt werden.Man würde sich mindestens noch zwei Bände aus den Händen Jarretts und der Feder Grossnicks wünschen: einen Band mit Zugaben. Denn hier spielt Jarrett meistens einen Standard in der Art der Melody Recordings. Er könnte "Encores" heissen. Und einen Band mit Blues-Improvisationen, wie sie in kaum einem Jarrett-Konzert fehlen. Er könnte "True Blues" heissen und die ungemeine Variationsbreite von Jarretts Interpretation der Bluesform aufzeigen. Es müssen ja nicht wieder 20 Jahre vergehen, wie sie zwischen den Melody-Recordings und der Veröffentlichung der Melody-Transcriptions liegen.