Anders als die meisten Leute hier habe ich keinen klassischen Hintergrund. Ich bringe mir das Klavierspielen seit etwa 3 Jahren selber bei, wobei ich mich bis jetzt nur auf Pop-Nummern und Filmmusik konzentriert habe. Ein Kollege von mir hat dann mein Interesse am Jazz geweckt. Da ich durch langjährigen Unterricht am Saxophon (auch in Richtung Jazz und in Improvisation) bereits über wertvolles musikalisches Vorwissen verfügte, stellte dieses Buch den perfekten Einstieg dar.Dieses Werk zum Selbststudium schafft es, die Motivation auch über längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten. Klare Übungsanweisungen tragen wesentlich dazu bei. Der Schwierigkeitsgrad steigert sich schnell, jedoch kommt nie Frust auf. Man hat das Gefühl, mit jeder Übung besser zu werden.Weiters positiv aufgefallen ist mir, dass die Improvisation von Anfang an gefördert wird.Allerdings sollte man mit dem Swing-Feeling der Achtelnoten bereits vertraut sein, bevor man sich an dieses Werk wagt, um Frust zu vermeiden. Weiteres muss auch gesagt werden, dass hier sehrwohl Selbstorganisation und Disziplin gefordert sind.Man muss eben gewillt sein, dieselbe Phrase einhundert Mal auf und ab zu spielen, während das Metronom unermütlich im Hintergrund klickt. Doch wer die Grundlagenarbeit gründlich erledigt, der wird am Ende umso mehr Spaß mit dem Resultat haben.Insgesamt ein sehr gutes Einsteigerwerk, dass sich viel Platz und Zeit nimmt, alles zu erklären. Dank der Technik - und Fingersatzübungen kann man meiner Meinung nach auf relativ niedrigem Fähigkeitsniveau einsteigen.Allerdings ist eine gewisse muskialische Vertrautheit mit dem Jazz/Swing/Blues von Vorteil.
Zunächst mal - es ist immer eine Herausforderung, etwas wie praktisches Musizieren über ein Buch zu vermitteln. Gerade der Jazz lebt davon, selber zu hören und auszuprobieren. Aber es gelingt in diesem Buch (plus dem zweiten Band) dem Autor doch, die Grundlagen zu vermitteln. Es setzt relativ wenige Grundkenntnisse voraus. Notenlesen gehört z.B. dazu - und vielleicht die Grundlagen über Tonleiter und Dreiklänge in Dur und Moll. Gut gefällt mir, dass das Ganze immer von Hörbeispielen begleitet wird, größtenteils auch als Playalong konzipiert. Darunter finden sich Eigenkompositionen und Workouts des Autors genau so wie klassische Jazz-Standards. Die Audio-Tracks finden sich auf der Begleit-CD im ersten Band. Im zweiten Band gibt es dagegen einen Link zur Webseite des Publishers, in der man die entsprechenden Audio-Files im MP3-Format herunterladen kann. Das ist soweit ganz gut gelöst. Gut gefällt mir auch die Übersicht über Musiker-Diskographien, d.h. Vorschläge für die jeweils wichtigsten Alben der stilprägenden Pianisten oder auch anderer Instrumentalisten.Es sind auch meiner Meinung nach alle wichtigen Grundlagen enthalten - was Begleittechniken oder Solo-Improvisation angeht - und verschiedene Stilistiken. Lediglich der Aufbau ist etwas gewöhnungsbedürftig. Es führt bzgl. Skalen, Improvisation und Voicings sowie Bassbegleitung von Dreiklängen über Septakkorde und erweiterte Akkorde (None, Undezime etc.) bis hin zu alterierten Akkorden.Das war für mich etwas ungewöhnlich, weil häufig auch gesprungen wird - und bestimmte Konzepte relativ abrupt eingeführt werden. Das finde ich in anderer Literatur didaktisch besser gelöst, z.B. im Jazz-Piano Buch von Mark Levine. Ich habe da also auch schon Vorkenntnisse.Ansonsten gilt auch hier: Es gibt viele Wege, sich das Material zu erarbeiten. Vielleicht gibt es angehende Jazz-Pianisten für die das genau die richtige Herangehensweise ist.
Zuviel Klamauk, zu wenig konzentriert auf die wichtigsten Merkmale.