Dieses großartige Lehrwerk von Gerhard Graf-Martinez habe ich als erster in Deutschland für 3 Zeitschriften ausführlich rezensiert. Darum muss ich dem Vor-Rezensenten Fabio De Miguel Eisenhardt deutlich widerprechen.Zitat: "Der Aufbau von den Tänzen und deren Begleitung wird nicht erläutert."=> Das Lehrwerk versteht sich offenkundig als reine Einführung in das Solospiel. Der Anspruch dieses Lehrwerks besteht darin, sichere Grundlagen über Technik und Rhythmus zu vermitteln (was dem Autor mit seiner bildhaften Sprache didaktisch sehr gut gelungen ist). Der Aufbau von Tänzen und deren Begleitung gehört nicht in eine Einführung geht weit über die technischen und rhythmischen Grundlagen hinaus und haben in einer Einführung nichts zu suchen. Daran hat sich der Autor gehalten.Zitat: "Anleitung zur Gesangsbegleitung fehlt."=> Für Gesangsbegleitung sind seit Jahren spezielle Lehrwerke am Markt verfügbar. Diese sind jedoch ohne die im vorliegenden Titel vermittelten Grundlagen überhaupt nicht zu bewältigen.Zitat: "Die Falsetas sind zum großen Teil auch nicht grade der Hammer."=> Ich weiß nicht, woran das jemand festmachen will, der dies offenkundig gar nicht beurteilen kann. Hammermäßige Falsetas erfordern erfahrungsgemäß eine ebenso hammermäßige Technik und glänzen nicht zuletzt auch durch komplexe Strukturen. Wenn sonst unter "hammermäßig" die bekannt schnellen Variantionsfolgen der großen traditionellen Maestros wie Sabicas und Niño Ricardo verstanden soll - das gibt es seit Jahrzehnten überall und hätte den Nutzwert nur deutlich reduziert. Anstatt sich auf ausgetretenen Pfaden zu bewegen, ist Gerhard Graf-Martinez einen anderen Weg gegangen. Er hat vieles selbst geschrieben und klanglich mit modernen Zügen versehen, wobei er auch sorgfältig ausgewähltes Material des aktuellen Großmeisters Paco de Lucía verarbeitet. An den eigenen Falsetas lässt sich die Kompetenz als Begleitgitarrist für Tanz erkennen: Grundehrliches und schnörkellos authentisches Material wird geboten, das zu keinem Zeitpunkt an Transparenz verliert! Sowohl dies als auch die zu Grunde liegende Einfachheit, die den Rhythmen und Falsetas ihren pulsierenden Durchschlag geben, motivieren den Lernenden, daraus eigenes Material zu entwickeln! Ich hatte genügend Schüler in meinem Unterricht und in Workshops, um die inneliegende Dankbarkeit mit diesem Lehrwerk weiterzugeben. Wenn die Falsetas für Herrn Eisenhardt "nicht der Hammer" sind, dann wird er wohl nicht verstanden haben, wie man sie spielen kann, damit sie eben doch ganz ordentlich etwas hermachen.