Dieses Buch gibt einen äußerst kompetenten und fundierten Einblick in den Machtkampf um die Führungsrolle im globalen Jihadismus zwischen dem IS und al-Qaida sowie den dahinter liegenden Ursachen und Motiven.Die Autoren beschreiben darin den Aufstieg des IS zu einer immensen Bedrohung in seiner aktuellen Form und analysieren die Ursachen für diese Entwicklungen. Das Buch beginnt folgerichtig mit dem Gründungsvater Abu Mussab al-Sarkawi und wie es ihm gelang, nach der völlig konzeptlosen Besatzung des Iraks durch US-Truppen im Jahr 2003 schon bald mit al Tawhid wal Jihad eine schlagkräftige Organisation für den Kampf gegen die Besatzungstruppen, Kollaborateure und die Schiiten auf die Beine zu stellen. Die Darstellung führt weiter über die Evolutionsstufen von Al Qaida im Irak (AQI), zum ISI, ISIS/ISIL bis hin zum IS in seiner heutigen Form und dem selbst ernannten Anspruch ein legitimes Kalifat errichtet zu haben.Schnell wird klar, dass es hier keine einfachen und monokausalen Erklärungen gibt, sondern vielmehr ein ganzes Geflecht aus Ursachen für diese dramatischen Entwicklungen verantwortlich sind. Dazu zählen unter anderem wie bereits erwähnt der undurchdachte US-Einmarsch im Irak, der übereilte Truppenabzug 2011, die Politik al-Malikis zur völligen Marginalisierung der Sunniten im Irak, der wachsende Einfluss des Irans in der gesamten Region, der arabische Frühling allgemein, und das brutale Vorgehen Assads gegenüber der Opposition in Syrien im Besonderen.Schon während des Kampfes gegen die US-Besatzung im Irak waren die ideologischen, theologischen, strategischen, taktischen und machtpolitischen Differenzen zwischen Al Qaida und dem Vorgänger des IS im Irak spürbar, doch zum endgültigen Bruch zwischen beiden kam es schließlich durch den syrischen Bürgerkrieg und dem Streit um die Loyalität der Nusrah-Front, deren Werdegang ebenso detailliert beschrieben wird. Der Machtkampf zwischen Al Qaida und dem IS um die Führungsrolle im globalen Jihadismus wird sehr kenntnisreich und fundiert beschrieben und untersucht und zudem werden auch die Struktur und der Aufbau des IS geschildert.Insgesamt machen die beiden Autoren als eine der wichtigsten Ursachen für das Erstarken des IS in Syrien und im Irak die Angst vor Marginalisierung und Vernichtung der jeweiligen sunnitischen Bevölkerungsteile aus, die in beiden Ländern politisch und gesellschaftlich an den Rand gedrängt wurden und werden.Gewalt, Staatszerfall, Unterdrückung, verfehlte oder halbherzige Politik des Westens und andere Faktoren sind für diese Entwicklung mit verantwortlich. Zum Ende jedes Kapitels fassen die Autoren die Komplexität der aktuellen Lage und die Befunde des jeweiligen Abschnitts immer noch kompakt zusammen und geben zum Ende des Buches noch einen Ausblick auf die mögliche weitere Entwicklung der nächsten Zeit, die zwar nicht sonderlich optimistisch ausfällt, aber dafür wohl sehr realistisch sein dürfte.Wem die Thematik noch völlig neu ist, wird bei der Lektüre zunächst vielleicht teilweise von der Menge der Fakten, Namen und Daten anfangs ein wenig überfordert, aber grundsätzlich finde ich das Buch für ein Sachbuch sehr gut und flüssig zu lesen und die Darstellung und Argumentation ist geradlinig, schlüssig und nachvollziehbar.Mir ist nur an einer Stelle ein kleiner Fehler aufgefallen. Auf Seite 38 ist von der zweiten Schlacht um Fallujah im Jahr 2005 die Rede, diese fand aber im November 2004 statt, wie es auf Seite 53 dann auch richtig steht.Ingesamt gibt dieses Buch einen unglaublich interessanten und lesenswerten Einblick in ein Thema von hoher Brisanz und Aktualität und besticht durch eine fundierte Recherche, differenzierte und sachliche Analyse und die Aufbereitung des komplexen Themas in sehr gut lesbarer Form.
Die beiden Autoren, jordanische Islamismus-Experten, zeigen die ideellen Unterschiede zwischen dem IS, Al Qaida und der Al-Nusra-Front auf , berichten von taktischen Zusammenschlüssen mit Treueschwüren und den Differenzen der einzelnen Gruppierungen, die dann wieder zur Spaltung oder Ablegerbildung führten.Besonders interessant fand ich dabei die grundlegenden Unterschiede, z.B. dass es Al Qaida urprünglich nicht um Land oder Eroberung, sondern nur um Aktionen gegen die USA ging, wie die einzelnen Verstrickungen unter den verschiedenen Gruppierungen „ins Rollen“ kamen, begünstigt durch Chaos und Bürgerkrieg und kaum aufzuhalten sind und auch den genauen Aufbau der IS-Hierarchie mit Räten wie Shura-Rat, und der eigenen Medienabteilung sowie ihren zugeteilten Aufgaben. Genau diese Aufgaben werden auch detaillierter benannt; in diesem Zusammenhang erfährt der Leser auch mehr über z.B. Einnahmen, Finanzierung und Gönner des IS.Die Autoren stellen klar, dass eine Schwächung des IS das Problem nicht lösen kann, sondern, dass ein Teil einer politischen Lösung sein muss, die Sunniten als Partner daran zu beteiligen, da viele sich unterdrückt, wahllos und unbeachtet fühlen und keine Möglichkeit sehen, ihre eigenen Interessen zu vertreten. Im Schlußkapitel analysieren die Autoren, welche Strategien überhaupt in Betracht gezogen werden könnten und im Anhang werden Führungsfiguren des IS sowie der Nusra-Front benannt und beschrieben.Sehr kompentent, gut recherchiert und konkret erläutern die Autoren in sechs Kapiteln wie die Macht des IS wuchs und die Nusra-Front gegenüber dem IS ins Hintertreffen geriet und welche berichten über Differenzen und Rivalität zwischen IS und Al-Qaida. Unglaublich viele Fakten, Daten und Namen werden vermittelt und durch ebensoviele Fußnoten belegt, dass mir manchmal schwer gefallen ist ( besonders die vielen oft zeilenlangen Namen haben mich verwirrt), den roten Faden nicht zu verlieren. Sehr geholfen hat mir dabei, dass es am Ende jeden Kapitels eine Zusammenfassung als Fazit gab. Insgesamt fand ich die sachlich dargestellten Zusammenhänge sehr interessant und informativ und kann die Lektüre dieses Buches nur empfehlen.