'500 Pfund im Jahr und ein eigenes Zimmer' forderte Virginia Woolf zur Freiheit und
Selbstverwirklichung für jede Frau. Zugleich beschränkt die neuzeitliche Trennung von Privatem
und Öffentlichem die Frauen meist auf die häusliche Sphäre. Seit Ende des 19.¿Jahrhunderts
etabliert sich in der Kunst ein wundersamer bildlicher Ausdruck dieses Spannungsfeldes zwischen
Geborgenheit und Einsamkeit Autonomie und Einschluss: Frauen werden in bürgerlichen
Innenräumen vor Mustern inszeniert. Sie sitzen oder liegen dabei vor gereihten Ornamenten die
auf Tapeten Vorhänge oder Stoffe appliziert sind. In ihrem fein gesponnenen reich bebilderten
Essay der subjektive Faszination und kulturgeschichtliche Rekonstruktion verknüpft geht Anke
te Heesen diesen eigentümlich betörenden Bilderwelten nach in denen oft genug nicht klar ist
ob Frauen sich den Raum aneignen oder selbst zum Interieur werden. Bilder und Text verweben
sich zu einer einzigartigen Betrachtung von Blicken auf das weibliche Selbst im Raum und
schaffen so eine außergewöhnliche Annäherung an die Bedingungen weiblicher Lebensformen.