Gerade der Anfang zeichnet sich durch eine recht schnelle Erzählweise auf, wodurch es dem Leser leicht fällt, reinzukommen. Der Autor beschreibt seine Figuren ohne viele unnütze Adjektive und dennoch sehr präzise. Man hat sofort das Gefühl, die Protagonisten zu kennen.Der Roman erzählt die Geschichte des harmlosen Tropfs Vinz, in den 1980er Jahren, den man sofort ins Herz schließt. Auch wer selbst kein Kind der Achtziger ist, kann sofort den Schwebezustand nachempfinden, in dem sich die Titelfigur befindet. Die schlichte Ratlosigkeit, in der Vinz vor sich hinachwebt, lässt sich gut auf uns Millennials und auch auf die Gen Z übertragen. Ein gelungenes Buch, bei dem man sofort das Gefühl hat, dass es mit viel Liebe geschrieben ist. Absolut lesenswert für alle Altersklassen!
In der niederbayerischen Provinz ticken die Uhren anders – zumindest meint man dies zu wissen. Und wenn man sich mit Vinzenz Bachmeier näher beschäftigt, scheint dies auch zu stimmen. Nun, er ist in Artlhofen, das liegt bei Landshut, aufgewachsen und hier verbringt er auch seine Jugend, hier wird er erwachsen. Das Dorf hat 853 Einwohner. „Hätte man allerdings noch Schweine und Legehühner mitgezählt, Artlhofen wäre eine Großstadt gewesen.“Schon der Anfang verspricht viel, das Erwachsenwerden eines Pubertierenden kann nur gut und unterhaltsam werden. Und genau das ist es auch. Sebastian Beck kennt sich aus, er ist selbst auf dem Land aufgewachsen, Parallelen zu seinem Protagonisten sind durchaus vorhanden.Gleich mal offenbart Vinz drei Wünsche, die er sich unbedingt erfüllen will. Naja, einem Fast-Kumpel die Freundin ausspannen – ob das klappen wird? Ein eigenes Auto dagegen hat er dann bald, auch wenn dies eher eine Klapperkiste ist. Ein „humorloses Spießerauto für Komödienstadel-Glotzer…“ ist sein Commodore, aber immerhin verspricht sein fahrbarer Untersatz Freiheit ohne Ende. Und mit einem ganz besonderen Modell der ersehnten E-Gitarre könnte er als Musiker ganz groß rauskommen. Auch dieser Wunsch ist nicht nur Träumerei. Vinz spielt in einer Band, sie nennen sich The Holy Shit. Schon der Bandname ist Programm. Nicht immer treffen sie jeden Ton und doch spielen sie auch mal in München, zwar nur als Vorgruppe, aber immerhin!Es sind prägende Jahre. Das Lebensgefühl der 80er wird lebendig. Vinz lässt sich treiben, findet in Kowalczyk einen väterlichen Freund und Arbeitgeber, der ihm Halt gibt. Die Kirche hat viel Einfluss, er wird mit Drogen konfrontiert und gegen die WAA in Wackersdorf muss natürlich demonstriert werden. Er probiert sich aus, er übertreibt nicht nur ein bisschen, er geht an Grenzen und darüber hinaus. Dies alles und noch viel mehr macht „Vinz Solo“ aus. Einen Beziehungstrottel nennt er sich und doch begegnet ihm auch die Liebe, wenngleich nicht alles von Dauer ist. Es ist bei ihm genau so, wie es bei vielen, wie es bei den meisten ist. Da ist er keine Ausnahme.Sebastian Beck erzählt mit Witz und Hintersinn von Vinz, ich bin ihm gerne gefolgt, habe des Öfteren geschmunzelt und zuweilen laut gelacht. Aber nicht nur das, nicht alles ist Spaß, es wird ernst, bitterernst. Auch diese Seite des Lebens bekommt er zu spüren.Ein prägendes Stück seines Weges habe ich Vinz begleitet, er hat mich bestens unterhalten. Der Zeitgeist der 80er Jahre auf dem Lande ist gut eingefangen. Sich finden, seinen Weg suchen ist gar nicht so einfach, die Dörfler und ihr zuweilen eingeschränkter Blickwinkel, ihre kleine Welt, sind aufs Beste dargestellt. Der locker-leichte, humorige Schreibstil hat ein Übriges getan, es waren kurzweilige und vergnügliche Lesestunden.Vinz, machs guad, du wirst es schon packen, das Leben. Mit allen Höhen und Tiefen, eh klar.
Sebastian Beck hat mit „Vinz solo“ einen Roman geschrieben, der zunächst einmal recht flapsig daherkommt. Die Anfangskapitel strapazieren die Lachmuskeln, man sollte aber nicht erwarten, dass es bis zum Schluss so weitergeht. Da wird ein junger Mann beschrieben, der selbst nicht so recht weiß, wer und was er ist und was er will. In erster Linie geht es ihm darum, wie er auf andere wirken will und die anderen, das sind in erster Linie die Mitschüler und Freunde. Er möchte cool sein und wünscht sich so sehr, bei Ricarda Eindruck zu machen, die aber leider schon vergeben ist.Da sind aber auch andere, die noch an ihm formen wollen und versuchen, ihn in ihre Richtung zu lenken. Allen voran die katholische Kirche in Person des Pfarrers, der sehr engen Kontakt zur Familie pflegt. Später sind da auch Kowalczyk, sein älterer Freund und Arbeitgeber, seine WG, seine Band. Nicht immer tut der Einfluss ihm gut und darin besteht eigentlich die wichtigste Lernaufgabe. Es geht darum herauszufinden, was er eigentlich will. Über zahlreiche Irrwege kommt er auch schließlich bei sich an und wahrscheinlich hat ihn das Ergebnis selbst überrascht.Es ist ein in Teilen witziges, in Teilen aber auch nachdenkliches Buch, flüssig geschrieben und gut zu lesen. Vinz fühlt sich oft allein gelassen. Schon, als er noch zuhause lebte, wurde er nicht wirklich verstanden in dieser frömmelnden Atmosphäre. Aber auch in den folgenden Kapiteln ist er immer ein wenig ein Einzelgänger, so ganz schließt er sich nirgends an. Dabei würde er gerne irgendwo dazugehören, nur halt nicht bei den Gruppierungen, die sich ihm in Artlhofen anbieten. Der Titel „Vinz solo“ passt meiner Meinung nach gut zu dem Buch und seine Einsamkeit wird auch passend im Bild illustriert. Er wünscht sich mehr Weite, er möchte seinen Horizont erweitern aber da steht ihm bildlich noch einiges im Weg. Der Titel spielt aber auch auf seine Versuche an, endlich eine Freundin zu finden.