In der Reihe Königs Erläuterungen aus dem Bange Verlag ist ein neues Spezial erschienen, das für Schülerinnen und Schüler, die sich mit Goethes „Faust“ beschäftigen (müssen) von großem Interesse sein könnte. In dieser Sonderausgabe der Reihe widmet sich der Autor Rüdiger Bernhardt der Gretchen-Tragödie und stellt auf knapp 90 Seiten u. a. die Biographie Goethes, den zeitgeschichtlichen Hintergrund des Stoffes vor und erarbeitet im Hauptteil wichtige Ansätze zur Interpretation der Gretchen-Tragödie vom „Urfaust“ bis zum „Faust II“.Für den Leser des Bandes von großer Bedeutung sind aber schon die Kapitel, die sich mit der zeitgeschichtlichen Einordnung und mit anderen Texten im Umfeld der Gretchen-Tragödie beschäftigen. Der Leser erfährt zunächst zum Verständnis des Goethe-Textes Wichtiges über die Epochen (Aufklärung, Sturm und Drang), die Bedeutung der Menschenrechte, über die Debatte um die Stellung der Frau in der Gesellschaft, um sich überhaupt in die Thematik einfühlen zu können. Lesenswert sind vor allem auch die Gedanken zum biographischen Kontext, die dem Leser bewusst machen, dass Goethe selbst immer wieder mit den Geschehnissen um Kindsmörderinnen in Berührung kam und mit diesem Stoff ein damals aktuelles Problem der Gesellschaft aufgriff. Das Motiv der Kindsmörderin avancierte zum typischen Stoff des Sturm und Drang. Ihm nahmen sich zahlreiche Autoren in dieser Zeit an. Eine Auswahl der Autoren und Texte ist auf Seite 43 zu finden.Die Arbeiten zu diesem Motiv umfassen Texte aller Gattungen und auch Aufsätze zu diesem Thema. Einige von diesen Texten stellt Rüdiger Bernhardt vor, wodurch der Leser nicht nur sehr umfangreiche Informationen, sondern auch Anregungen zur Weiterbeschäftigung mit diesem Thema erhält, zum Beispiel im Rahmen von Referaten oder Facharbeiten.Auf etwa achtzehn Seiten beschäftigt sich Bernhardt dann mit der Gretchen-Tragödie unter Einbeziehung des historischen Kontextes, dem Aufbau der Gretchen-Tragödie und mit Fragen der Figurencharakteristik. In diesen Kapiteln bekommt man sehr schöne Denkanstöße, Interpretationsansätze und Lösungen zum Text.Besonders hervorgehoben werden soll auch die im Abschnitt „Materialien“ aufgenommene und bei Willi Bredel aufzufindende Anekdote über eine Hamburger Inszenierung des „Faust“ um 1860.Der Band ist in jedem Fall eine Bereicherung für jeden, der mit dem Text arbeitet und eine Investition, die sich lohnt und daher sehr empfehlenswert.