★★★★★
Georg Oliver Hruschka
13.09.2024
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Endlich! Bernie Gunther ist wieder da und wird prompt erneut von der dreckigen Geschichte Deutschlands als auch seiner eigenen, ambivalenten Vergangenheit eingeholt. Der von Deutschlands Historie besessene, 2018 leider viel zu früh verstorbene Autor Philip Kerr läuft hier im vorletzten Roman der Bernie-Gunther-Reihe nochmals zur Höchstform auf und verdichtet zahlreiche historische Fakten, Details und Ereignisse zusammen mit fiktiver Handlung zu einem spannenden Lesegenuss der Extraklasse.Seine bildgewaltige Sprache mit zum Teil grotesken und sarkastischen Beschreibungen lässt einen beim Lesen ständig schmunzeln, häufig auch laut auflachen! Hier folgt Kerr konsequent seinem großen Vorbild Raymond Chandler, dessen einsamer und zynischer Held Philipp Marlowe unübersehbar die Blaupause für Bernard Gunter war.Auffällig aktuell wirkt auch die Kritik an der EU bzw. deren Vorgängerorganisation EWG, deren Entstehen eine nicht unbedeutende Rolle in der Handlung einnimmt. Ergänzt um eine pointierte, herrlich politisch unkorrekte Charakterisierung der Griechen und Ihrer Lebensweisen und der fragwürdigen NS-Bewältigungspolitik der frühen Bundesrepublik in der Adenauer-Ära.Kerr schafft mit Bernie einen völlig desillusionierten Zyniker, der zunehmend mit seiner eigenen Vergangenheit hadert, dabei aber viel schwarzen Humor entwickelt. So kann nur ein britischer Autor schreiben!Gottseidank gelingt es dem Übersetzer Axel Merz, das gut ins Deutsche zu übertragen. Vergessen der Ärger über die miesen Übersetzungen früherer Bernie-Gunther-Stories wie Wolfshunger oder Böhmisches Blut...Zwei auffällige Neuerungen:Es gibt nur eine chronologische Erzählebene, die 1957 spielt. Auf die sonst so charakteristischen Rückblenden als komplexe Handlungsstränge verzichtet Kerr diesmal - ohne dass die Erzählung dadurch irgendwie leidet.Und dieses Mal muss Bernie niemanden umbringen, weder aus berechtigter Vergeltung noch aus Notwehr. Überhaupt halten sich in dieser Story die Handgreiflichkeiten und die „Äktschen“ in Grenzen, was der Glaubwürdigkeit des mittlerweile über 60jährigen Helden auch entgegen kommt - ohne dass die Spannung leidet.Kurzum: Ein Hochgenuss und ein Muss für alle Bernie-Gunther-Fans!Leider gibt es nun nur noch eine verbleibende Bernie-Gunter-Geschichte von Kerr, die vermutlich nächstes Jahr auf deutsch erscheint....