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k.A.
28.05.2026
ean-shopping.de
Der Glocken Schlag ist ein wunderschönes und zeitloses Werk von Dorothy L. Sayers, das viele Lesern gefallen wird, auch wenn man vielleicht nicht jedes Detail sofort erfassen kann. Es ist definitiv ein Klassiker, den man sich als literarische Bereicherung gönnen sollte.
„Es mutet seltsam an, daß eine Generation, die das Gebrüll von Verbrennungsmotoren und das Geheul der Jazzbands klaglos hinnimmt, derart empfindlich sein soll gegenüber dem einzigen lauten Geräusch, das zur Ehre Gottes erzeugt wird.“ (Aus dem Vorwort von Sayers)„Glocken sind falsch wie Katzen und Spiegel – unheimlich sind sie, und man denkt besser nicht zuviel an sie.“„Das ist so eine stille Gegend hier, wenn man da nicht über seine Nachbarn redet, worüber denn sonst?“AutorinDorothy L. Sayers (1893-1957) prägte das Detektiv-Genre massgeblich mit ihrer Lord Peter Wimsey-Serie. Die Folge wurde nicht übersetzt, verfilmt und wird auch heute gelesen. Das beste Beispiel hierfür sind meine fünf Söhne: Sayers rangiert vor Sherlock Holmes.SerieSayers schrieb insgesamt über ein Dutzend Jahren an ihren Wimsey-Romanen; oftmals entstanden mehrere parallel. Sie vertiefte sich über Monate in den Plot, die Charakteren und die Schauplätze. Der vorliegende Roman ist kunstvoll um das britische Glockenspiel komponiert. Nach der Biografin Barbara Reynolds führte Sayers über 60 Tagebuchseiten an Notizen über diese Kunstfertigkeit und korrespondierte mit Spezialisten – ohne je selbst ein Glockengeläut mitgezogen zu haben.LeseerlebnisDie 300 Seiten vereinigen nicht nur einen äusserst breit gesponnenen Plot. Sie beinhalten auch ein herrliches Portrait von den ländlichen Gegenden Englands; sie integrieren Sozialkritik (mangelnder Unterhalt der Schleusen, die am Schluss zur Überschwemmung führen) und eine vorteilhafte Beschreibung des anglikanischen Dorfgeistlichen. Dieses lässt übrigens an Sayers‘ Vater anklingen, der Rector in einer ländlichen Gegend war. Die Spur führt (auch) nach Frankreich, wo Sayers ebenfalls eine Zeit ihres Lebens zugebracht hatte. Auffällig sind verschiedene längere Passagen in direkter Rede, wo Wimsey und sein Gegenüber von der Polizei über den Tathergang mutmassen. Die schrittweise Auflösung ist sehr geschickt.Der freundliche LandpfarrerZur Charakterisierung des (hochkirchlichen) Geistlichen:„Die Stimme klang freundlich und gebildet, und als Wimsey der Frau in einen kleinen Salon folgte, erkannte er den Sprecher als einen ältlichen Pfarrer.“„Eine richtige Predigt wird es ja eigentlich kaum – nur ein paar passende Gedanken zum Jahreswechsel und den Möglichkeiten, die das neue Jahr eröffnet.“ „Theodore möchte gern einen Marienaltar darin aufstellen, aber wir fürchten, daß unsere Gemeindemitglieder das für papistisch halten könnten.“„‘Ärzte sollten nicht in Urlaub fahren‘, meinte Mrs. Venables (Pfarrfrau) lieblos. Der Pfarrer nahm über die großen Festtage nie und in der übrigen Zeit fast nie Urlaub, daher konnte sie eine solche Notwendigkeit auch für alle anderen nicht einsehen.“„Es steht uns nicht an, allzuviel über das Morgen nachzudenken. Besser der Wahrheit folgen und es Gott überlassen, was daraus wird.“Ein abgelegenes Dorf„Ein schwerer ekklesiastischer Duft von altem Holz, Firnis, Trockenfäule, Gebetskissen, Gesangbüchern, Paraffinlampen, Blumen und Kerzen, die alle in der Wärme der Dauerbrandöfen friedlich vor sich hin backten, schlug ihnen aus dem Innern (der Kirche) entgegen.“„Über die flachen weißen Wüsten des Moorlandes, die schnurgeraden stahlschwarzen Gräben und Deiche, die windgebeugten, ächzenden Pappeln hinweg wehte die Musik der Glocken aus den schneegedämpften Schallöchern der Glockenstube.“„Hier eine Windmühle, da ein alleinstehendes Bauerngehöft, dort eine Pappelreihe entlang einem schilfbewachsenen Deich. Weizen, Kartoffeln, Rüben, Senf und wieder Weizen, Wiesen, Kartoffeln, Klee, Weizen, Rüben und Senf.“Zum Glockenspiel„Er fettete die Zapfen und Lager ein, tat einen Tropfen Öl an die Rollenachsen, prüfte die Beweglichkeit des Gleitstocks zwischen den Blöcken und untersuchte die Seile, ob sie irgendwo an Rad und Rolle Verschleißerscheinungen zeigten.“„Wir kennen uns gut, die Glocke und ich, und sie hat nichts gegen mich und ich nichts gegen sie. Aber unberechenbar ist sie.“Anklänge an Sayers Biographie„Miss Bowler sagt, sie hält nichts von Frauen, die nicht für sich selbst aufkommen können.“„Je schlimmer so ’n Kerl ist, desto fester hängen sie an ihm.“„Ich halte gar nichts davon, wenn so junge Mädchen sich selbst überlassen sind. Das gibt immer Scherereien, und es dürfte eigentlich nicht sein, daß ihnen die Eltern weggenommen werden.“Zum Dasein als SchriftstellerWimsey sagt zur 15-jährigen Hilary, die Schriftstellerin werden will:„Weil Sie diese schöpferische Phantasie haben, die so nach außen wirkt, daß man schließlich außerhalb seiner eigenen Erlebnisse steht und sie als etwas sieht, was man selbst geschaffen hat und was unabhängig von einem selbst existiert. … Zuerst wird man Sie für verträumt und romantisch halten, dann wird man erstaunt entdecken, daß Sie in Wirklichkeit hart und herzlos sind. Beides ist völlig falsch, aber das werden die anderen nie wissen, und Sie selbst."
Lord Peter Wimsey und sein Diener Bunter haben in einer englischen Grafschaft einen Autounfall und müssen die Silvesternacht in einem kleinen Dorf verbringen, wo beide vom Pfarrerehepaar gastfreundlich aufgenommen werden. Der Pfarrer will in der Neujahrsnacht ein neunstündiges Geläut in der Dorfkirche veranstalten, an dem Wimsey zusammen mit acht Dorfbewohnern teilnimmt.Einige Zeit später erhält Wimsey einen Brief vom Pfarrer, indem er ihn um Hilfe bittet, denn in einem fremden Grab liegt eine durch Gewalt nicht identifizierbare Leiche. Es stellt sich heraus, dass es sich um Jeff Deacon handelt, der als Haupttäter wegen eines lange zurückliegenden Diebstahls einer (verschwundenen) Smaragdhalskette verurteilt wurde, später aus dem Gefängnis entkam und anschließend für tot erklärt wurde. Die Leiche wurde nach Neujahr aus der Glockenstube, wo sich Spuren des Toten finden, in ein eben ausgehobenes Grab geschafft. Sofort wird die These aufgestellt, dass Jeff Deacon die Halskette aus ihrem Versteck geholt hat und anschließend ermordet worden ist.Der professionelle Juwelendieb Nobby Cranton, ein Komplize von Jeff Deacon, hat eine chiffrierte Beschreibung des Juwelenverstecks dabei, die er allerdings nicht versteht. Durch Zufall entdeckt Wimsey, dass Jeff Deacon, der früher ebenfalls die Glocken der Kirche geläutet hat, das Versteck der Smaragdhalskette nach Regeln des Wechselläutens in einem ansonsten sinnlosen Text versteckt hat. Die Überprüfung dieser Idee führt zu einem Versteck in der Dorfkirche, in dem sich tatsächlich die Juwelen befinden. Jeff Deacon hat sich die Kette demnach nicht vor seinem Tod angeeignet.Wie sich dann herausstellt, traf Deacon am Tag vor Silvester auf Will Thoday, der mittlerweile die Frau des totgeglaubten Deacon geheiratet hatte. Da Jeff Deacon noch lebt, ist Will Thodays Ehe hinfällig. Thoday setzt Jeff Deacon in der Glockenstube fest und versorgt ihn dort solange, bis seine Grippeerkrankung ihn daran hindert. Am 2. Januar zieht Will Today seinen Bruder Jim ins Vertrauen, doch dieser findet in der Glockenstube nur noch Jeff Deacons Leiche vor, verstümmelt sie und deponiert sie in einem frischen Grab. Die Todesursache von Jeff Deacon bleibt im Dunkeln. Er ist weder verhungert oder verdurstet noch wurde er von den beiden Brüdern getötet.Es kommt es zu einer großen Überschwemmung des Dorfes, vor der die Bevölkerung in der Kirche Schutz findet. Wimsey steigt während des Alarmläutens vor der Flut auf den Kirchturm und muss dabei erfahren, dass der Lärm der Glocken in nächster Nähe nicht nur psychischen Stress auslöst, sondern auch physische Schäden verursacht. Jetzt wird ihm klar, dass Jeff Deacon nicht ermordet wurde, sondern an den Folgen des neunstündigen Lärms der Glocken am damaligen Neujahrstag starb, dem er in der Glockenstube ausgesetzt war, starb. Nur Will Thoday, der Jeff Deacon in der Glockenstube eingesperrt hatte, wusste davon, konnte den Tod aufgrund seiner Grippeerkrankung jedoch nicht mehr verhindern. Er springt vor Reue und Angst in die Flut und ertrinkt.