Die Frau hinter der Legende - zutreffender konnte der Titel nicht gewählt sein. Denn unter Florence Nightingale verstand ich den gutgelaunten, rettenden Engel der Kranken und Hilfsbedürftigen, ohne mir darüber im klaren zu sein, in welchen Kinderschuhen Krankenpflege und Hospitäler zu Lebzeiten Nightingales steckten. Die Autorin Hedwig Herold-Schmidt belegt eindrucksvoll, dass Nightingale keineswegs engelsgleich war (und dieses auch nie sein wollte). Als Frau hatte es Nightingale in ihrer Zeit doppelt schwer, sich in der gehobenen Berufswelt zu etablieren. Sie half dem Pflegewesen auf die Sprünge, wodurch die Menschheit überhaupt erst anfing, darin ein Grundbedürfnis festzustellen. Wer es sich leisten konnte, ließ sich zuhause pflegen (wer konnte das schon?), den übrigen standen düstere Hospitäler offen. Es ist interessant zu lesen, wie das 19. Jahrhundert in Sachen Krankenpflege aussah und welche Behandlungsmethoden (Blutegel, Aderlass) es damals gab. Herold-Schmidt zeichnet Florence Nightingale als eine ernsthafte, der beruflichen Passion verschriebenen Frau, deren Stärke im Berechnen und Organisieren lag, die aber nie wünschte, eine Mutterschaft zu durchleben. Sie stellte die Karriere vor das Privatleben, ein eigenes Familienglück hätte ihr im Wege gestanden. Nach Lektüre dieses Buches habe ich mir gleich (antiquarisch) eine Biografie über den Gründer des Deutschen Roten Kreuzes bestellt.
Ein wirklich aufschlussreiches Buch mit vielen neuen Erkenntnissen über die Person und Familie von F. Nightingale.Sehr gut geschrieben, es liest sich in einem Rutsch.Gute und qualitativ hohe Arbeit mit Quellen und sogar eine Analyse der heutigen öffentlichen Meinung zur der Person F.N. im angelsächsischen Raum.Aspekte ihrer Schriften zur der Gesundheitspolitik in Britisch Indien wurden auch gut dargestellt, was mir völlig neu war bis dahin und kaum in einer Biographie erwähnt wurde.Im ganzen ein wirklich gelungenes Buch, das ich jedem empfehlen kann, auch außerhalb der Krankenpflege.