Ein warmer gut geschriebener Familienroman über das schwere Thema Demenz. Vier erwachsene Geschwister müssen sich um ihre an Alzheimer erkrankte Mutter kümmern, da der Vater mit einem Oberschenkelhalsbruch im Krankenhaus liegt. Dazu kehren sie für einige Tage zurück ins elterliche Zuhause und stoßen dort nicht nur auf einen kompliziert gewordenen Alltag, den sie mit Kreativität und Humor meistern, sondern auch auf alte Familiengeheimnisse.Liebevoll gezeichnete Charaktere, eine bis zum gelungenen Schluss fesselnde Handlung in ausdrucksstarker treffsicherer Bildsprache, klug eingearbeitete Gedanken zum Thema Demenz und vor allem die unzähligen mal witzigen, mal fast poetischen Satz- und Wortschöpfungen von „Maman“ haben mich den Roman in einem Rutsch durchlesen lassen. Insbesondere Maman ist ein Original und straft das Vorurteil Lügen, demente Menschen hätten keine geistigen Qualitäten mehr!Ich vergebe fünf Sterne für ein vielversprechendes literarisches Début mit Bestseller-Potential, das ich gerne auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis gesehen hätte und das auf weitere Romane der Autorin Ella Cornelsen hoffen lässt.
Als der Vater nach einem Sturz ins Krankenhaus muss, müssen sich die Geschwister um ihre demente Mutter kümmern. So kommen sie nach langer Zeit wieder einmal in ihrem Elternhause zusammen. Der Vater hat sich vor dem Sturz um alles gekümmert, dabei war er recht gebrechlich. Die Mutter dagegen ist körperlich unverwüstlich und hat ihren eigenen Kopf, wie die Geschwister schnell feststellen. Sie kümmern sich also um die Mutter, besuchen den Vater im Krankenhaus und genießen auch die gemeinsame Zeit. Dabei kommen Erinnerungen hoch und manches was unausgesprochen geblieben ist, wird aufgearbeitet. Doch dass sie dabei sogar einem lange zurückliegenden Geheimnis auf die Spur kommen, hätten sie wohl nicht erwartet.Dieser Roman lässt sich angenehm lesen und ist oft sehr humorvoll trotz der ernsten Themen, um die es natürlich auch geht.Severin, Ida, Beate und Vinzenz sind sehr unterschiedlich, wie das bei Geschwistern häufig ist. Als sie aufgewachsen sind, ist der Vater ist seiner Arbeit nachgegangen und die Mutter hat sich gekümmert – um Mann, Haus und Kinder. Sie war dabei besorgt und ängstlich, oft auch einengend für ihre Kinder. Doch man kann Kindern nicht seine Lebensauffassung überstülpen. Daher ist Ate auch früh ausgezogen und hatte nur noch selten Kontakt zu ihrer Familie. Doch nun sind sie wieder zusammen und versuchen das Beste aus der Zeit, die sie in ihrem Elternhaus verbringen müssen, zu machen und gleichzeitig Hilfe zu organisieren. Der Vater sorgt sich im Krankenhaus um seine Frau und zu Hause hält die Mutter mit ihrem Eigensinn ihre Kinder auf Trab. Die Mutter hat ihren Kindern immer gepredigt „man muss vergessen können", doch es gibt Dingen, die man einfach nicht vergessen kann.Die ernsten Themen wurden mir etwas zu oberflächlich dargestellt. Dafür wurde es sehr gut herausgearbeitet, dass die Geschwister wieder mehr zueinander finden und einige sogar die Weichen in ihrem Leben neu stellen.Es ist ein unterhaltsamer Familienroman.
Ein Lesegenuss-Abenteuer auf mehreren Ebenen: Demenz und Verschwinden der Mutter und die Liebesgeschichte in der Gegenwart, die Rückblenden in die Jugendzeit der Kinder, die Enthüllungen aus der Nazizeit. Die manchmal bitter-komischen neuen Wortschöpfungen der Mutter, alles höchst stilvoll erzählt. Ein bemerkenswertes Buch, an dem keiner vorbeikommt, und ein besonders lesenswertes für mich.