"Fliegen oder Fallen" ist der Titel eines Jugendbuchs von Autorin Missy Marston. Seit August diesen Jahres ist es beim GOYA-Verlag erschienen.Bereits das Cover lässt erste Vermutungen zum Inhalt zu. Auf interessante Art und Weise ist der Titel in den Wolkenhintergrund eingearbeitet.Im Mittelpunkt der 283 Seiten umfassenden Geschichte steht die junge Frau Trudy. Nachts arbeitet sie in einer Wäschefabrik und kümmert sich tagsüber gemeinsam mit ihrer Mutter um ihre vierjährige Nichte. Der großen Liebe hat sie längst abgeschworen, denn Männer bringen einen meist eher in Schwierigkeiten und verschwinden dann unangekündigt. Eines Tages taucht jedoch Stuntman Jules in der verschlafenen kanadischen Kleinstadt auf und sorgt für Wirbel: Begleitet mit einem Fernsehteam will er mit deinem getunten Raketenauto über den zwei Kilometer breiten Sankt-Lorenz-Strom springen. Warum muss sich Trudy ausgerechnet in diesen Mann verlieben, der sein Leben für eine verrückte Idee aufs Spiel setzt?In einem wunderbar leichtfüßigen Schreibstil erzählt Missy Marston die Geschichte. Authentisch wird der Handlungsschauplatz sowie die damalige Zeit wiedergegeben. Als Leser kann man die Gesellschaftlichen Normen, welche im Kanada der Siebzigerjahre geherrscht haben, nachvollziehen.Mit pointiertem Witz und reichlich Spannung ist die Handlung ausgestattet. So ist es kein Wunder, dass man die insgesamt 283 Seiten regelrecht verschlingt als Leser. Skurrile Begegnungen und die ein oder andere überraschende Wendung lassen den Jugendroman zu einem tollen Schmöker werden, den man kaum aus der Hand legen kann.Die Figuren sind vielseitig und mit Liebe ins Detail von der Autorin gestaltet worden. Beim Leser kann man sich gut in ihre jeweiligen Gefühle, Gedanken sowie ihr Handeln hineinversetzen und dieses nachvollziehen. Sie wirken alle authentisch in jeglicher Hinsicht.Die Geschichte selbst wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. So hat man als Leser noch mehr Einblick in die Charaktere.Das Ende ist eine ziemliche Überraschung und dennoch in sich schlüssig.Meinerseits definitiv eine klare Leseempfehlung mit fünf Sternen! Ein tolles Jugendbuch über die Tücken des Lebens; mit viel Tiefgang und pointiertem Witz erzählt!
Claire und ihre Tochter Trudy arbeiten in Preston Mills in der Nachtschicht der Textilfabrik und betreuen gemeinsam die kleine Tochter von Trudys Schwester Tammy. Tammy ist einfach abgehauen, um ein paar Kilometer entfernt in einer Tankstelle zu arbeiten. Schon Claire war mit 17 ungeplant schwanger, wurde vom Vater ihrer Tochter verlassen und träumt bis heute davon, ein Mann würde sie aus der Ödnis der kanadischen Kleinstadt herausholen. Mutter, Tochter und die inzwischen 5-jährige Enkelin Mercy sind offenbar glücklich miteinander, auch wenn das Geld so knapp ist, dass Claire auf der Wohnzimmer-Couch ihres winzigen Häuschens schlafen muss.Als Trudy Jules kennenlernt, zieht eine Ahnung von Reichtum in ihr Leben; denn der Stock-Car-Fahrer will mit seinem Raketen-Auto-Projekt das ganze große Geld machen. Da Jules kein Geschäftsmann ist und in seiner Karriere bisher hauptsächlich gebrochene Knochen „kassiert“ hat, sieht es mit seinem großen Coup jedoch schlecht aus.Tammy lebt inzwischen mit dem schmächtigen Fenton zusammen, der damit verblüfft, dass er Mercy am Wochenende abholen möchte und eine Art Familienleben aufbauen.In Kapiteln von höchstens 1-2 Seiten, deren Überschrift jeweils mit „Weil …“ beginnt, ist „Fliegen oder Fallen“ am Rande auch ein Roman über einen aberwitzigen Stunt nach realem Vorbild, zeigt jedoch drei Generationen von Frauen (Tammy und Trudy sind Mitte der 50er geboren, Mercy 1974) und ihre überaus bescheidenen, unerfüllbaren Wünsche. Wir lernen Mutter, Töchter und ihre jeweiligen Partner kennen und werden mit einer spießigen Moral konfrontiert, die ungeplant schwangere Teenager verhöhnt und die jugendlichen Väter einfach davonkommen lässt. Dass, laut Trudy, nur der Hausarzt Dr. Cameron ein Ehrenmann ist, lässt tief blicken …Abgesehen von dem tatsächlich abgefahrenen Raketen-Auto-Stunt eine treffsichere Sozialstudie vom Leben als Frau in der tiefsten Provinz.
In diesem Buch fangen alle Kapitelüberschriften mit "weil" an. Und überhaupt ist dieser Roman ziemlich seltsam. Er wirkt wie aus der Zeit gefallen und dichtet ein Vorhaben um, das so ähnlich vor einigen Jahrzehnten als Lebenswerk eines Volltrottels galt. Hier heißt der Dummkopf Jules. Und Jules hat sich in den Kopf gesetzt mit einem Raketenauto über den zwei Kilometer breiten Sankt-Lorenz-Strom zu springen.Als er in die am Ufer des Flusses gelegene Kleinstadt Preston Mills kommt um sein dämliches Vorhaben umzusetzen, erregt er Aufsehen, denn dort passiert nie etwas. Leute werden geboren, leben ihr mehr oder weniger trostloses Leben und sterben irgendwann. Trudy gehört zu diesen Leuten. Von Männern hat sie die Nase aus Erfahrung voll. So ähnlich sehen das auch die anderen Frauen in ihrer durchweg weiblichen Familie.Und nun kommt Jules, und ausgerechnet in diesen todgeweihten Typen muss sie sich verlieben. Das ist die ganze nicht besonders fröhliche Story, die allerdings recht fröhlich erzählt wird. Das hat etwas. Allerdings weiß man von vorneherein, wie das Drama ausgehen wird, was nicht gerade die Spannung erhöht.Im Leben von Trudy fehlen die Höhepunkte. Und wenn sich welche andeuten, dann haben sie stets einen tragischen Einschlag. Wer stets an der falschen Stelle sucht, wird auch nichts Richtiges finden.Kurz gesagt: Schön erzählt, aber mehr nicht. Eine solche Geschichte reißt nicht mit, auch wenn man sie noch so schön darbietet.