Ich kenne die Scheinfastendiät bereits aus den USA und habe mich gefreut, dass nun ein Ratgeber auf Deutsch dazu erscheint. Es gibt zwar einige gute englischsprachigen Blogs zur Fasting-Mimicking-Diet, aber viele englische Do-it-yourself-Rezepte, die man im Internet üblicherweise findet, sind doch sehr speziell (z. B.Süßkartoffel-Frikassee oder Sautierte Rote Bete) oder es werden Fertiggerichte wie etwa Tomatencremesuppe empfehlen, was ich auch nicht so vorteilhaft finde. Dann könnte man gleich zur kommerziellen Scheinfasten-Variante mit den vorgefertigten Gemüsesuppen oder Nussriegeln greifen.Mit 128 Seiten Umfang fällt das Easy-Fasten-Buch recht handlich aus. Zunächst wird erklärt, wie das „Fasten-Wunder“ eigentlich funktioniert, also wieso der Körper in den sogenannten Zellverjüngungsmodus schaltet, wenn man ihm tierisches Eiweiß sowie Kohlenhydrate mit hohem Glyx vorenthält und zugleich die Kalorienzufuhr auf 750 bis 1100 Kilokalorien beschränkt. Es werden Studien vorgestellt, Tipps für die Umsetzung der Diät in Eigenregie und auch der Erfinder des Scheinfastens, der amerikanische Wissenschaftler Valter Longo.Da ich die Theorie schon weitgehend kannte, habe ich diesen Teil rasch überflogen. Scheinfasten-Anfänger hingegen sollten sich mit der Methode genau vertraut machen, da es doch sehr auf die Details ankommt. Wer bei Nährwertvorgaben nicht aufpasst, landet leicht über den erlaubten Werten, was zu Folge hat, dass die Autophagie – also die Zellerneuerung – nicht in Gang kommt.Das Buch enthält Rezepte für Frühstück, Lunch und Abendessen. Das Frühstück besteht vor allem aus Gemüsesmoothies und Aufstrichen. Ich habe mich in meiner Fastenwoche an die Drinks gehalten. Sie sind fix hergestellt, schön sämig und besitzen einen angenehmen, nicht zu intensiven Bitterton, obwohl das Obst fehlt, das den grünen Smoothies normalerweise die nötige Süße verleiht.Der Clou sind die Rezepte für tagsüber. Gerichte wie Blumenkohl-Tabouleh, Pilzcarpaccio mit Haselnüssen oder Gemüsecurry mit Linsen schmeckten nicht nur wirklich lecker, sie sättigen trotz der überschaubaren Portionsgröße auch für Stunden. Also kein nagender Hunger, keine schlechte Laune und keine Kopfschmerzen, wie man es vom Heilfasten kennt. Das ist das, was ich am Scheinfasten so schätze.Der einzige Schwachpunkt ist, dass in den Nährwertangaben der Gesamtkohlenhydrate-Anteil nicht detailliert aufgeschlüsselt ist, also dass genaue Inhaltsangaben zu Ballaststoffen und Zucker fehlen. Ich gebe trotzdem fünf Sterne für den Ratgeber – weil die Gerichte meiner Meinung nach wirklich ausgezeichnet sind.