Sprachlich schön, tolle Beschreibungen der Gefühlswelten. Zum Teil braucht man Geduld, man taucht in die Lebenswelt des 19. Jahrhunderts ein, mit Pferden, Landleben, Briefeschreiben… Das Ende ist traurig, nach langer Hoffnung… vielleicht nichts für leicht depressive Phasen (?)
Der Roman ist mittlerweile über 150 Jahre alt, liest sich aber weniger träge als seine Zeitgenossen. Vom Schreibstil her könnte er fast genauso gut aus dem 20. Jahrhundert stammen und tatsächlich war ich zwischendurch so gebannt, dass ich ihn nicht beiseite legen konnte.Das Thema -Ehebruch- wurde auch von anderen großen Literaten wie Fontane aufgegriffen, aber kaum einer schildert es so gut und verständlich wie Flaubert, weswegen er wohl seiner Zeit wegen Verstoß gegen die öffentliche Moral angeklagt wurde.Einziger Wehrmutstropfen ist die Übersetzung aus dem Jahre 1911. Ich habe mal probiert sie mit meinem mäßigem Schulfranzösisch mit dem Original zu vergleichen und hatte das Gefühl, dass bei der Übersetzung durch Schurig einiges verloren gegangen ist.
Das Thema "sich blind in Verliebtheit zu verrennen" ist nach wie vor aktuell und zeitlos. Das Drama um die todbringenden Folgen des Ehebruchs kann in heutiger Zeit jedoch keinen solchen Eklat provozieren wie dies Ende des 19.Jahrhunderts womöglich der Fall war. Die Sprache des Romans ist angenehm zu lesen. Die Perspektivwechsel lassen eine tiefer gehende Aussage des Autors erahnen.