Ich habe das Begleitheft zur Erzählung "Der Raubritter Ratzfatz" erworben, weil ich es zur Unterstützung der Unterrichtsreihe einsetzen wollte.Zunächst zu den positiven Aspekten:Das Werk behandelt das Buch in chronologischer Abfolge zu den einzelnen Kapiteln. Es bietet zu jedem Kapitel zunächst ein Arbeitsblatt, welches auf die Rekapitulation des Kapitelinhalts abzielt und somit zur Lesekompetenzförderung hinsichtlich Inhaltserschließung beiträgt. Anschließend erfolgen, je nach Kapitel, weitere Arbeitsblätter, die ebenfalls einen Schwerpunkt im Bereich der Lesekompetenz legen, aber durchaus auch über das Buch hinausgehen und Elemente vermitteln, die man im Sachunterricht thematisieren kann ("Leben im Mittelalter", "Ritter und Burgen"). Insofern zielen die Materialien darauf ab, fächerübergreifenden Unterricht zum Thema "Mittelalterliches Leben" auf Grundlage der Lektüre aufzubauen.Zu den negativen Aspekten:Grundlegend: Die Materialien bieten sich kaum an, wenn sie ausschließlich im Deutschunterricht eingesetzt werden sollen. Hierzu fehlt es sowohl an einem abwechslungsreichen Methodenpool als auch an Vielfalt hinsichtlich der Arbeits- und Sozialformen. Es wird sich weitgehend beschränkt auf die Arbeitsblatt-gestützte Erschließung von Inhalten in Einzelarbeit; Arbeitsaufträge, in denen die Schüler anderweitig arbeiten, gibt es nur wenige. Elemente wie Schülerkooperation, Individualisierung, Einbindung von alternativen Medien usw. fehlen nahezu vollständig. Die Materialien gehen des Weiteren kaum auf literarische Unterrichtsschwerpunkte ein (z.B. Beschreiben von Figuren; Erklärung von Handlungsweisen; Interpretation von Textstellen), sodass ein Literaturunterricht nur sehr eingeschränkt möglich ist. Stattdessen werden die Schüler dazu aufgefordert, über die Handlung das mittelalterliche Leben kennenzulernen - was für fächerübergreifendes Vorgehen spricht. Hierzu halte ich persönlich die Schwerpunktsetzung innerhalb des Materials jedoch für ungüstig, was aber auch an der Lektüre an sich liegt. Um den Unterricht möglichst informativ und kompetenzorientiert zu gestalten, reichen die Arbeitsblätter bei Weitem nicht aus. Hier muss man definitiv weitere Materialien hinzuziehen, weil die einzelnen Themenbereiche (die für die Grundschule an sich recht sinnvoll gewählt sind) viel zu knapp behandelt werden.Mein Fazit: Literaturunterricht in der Schule soll, für mein Verständnis, die Schüler zum Lesen motivieren, Spaß am Erfahren fiktionaler Erlebnisse wecken - sprich: den Lernenden Lust am Erzählen und Erzählten machen. Diese Materialien liefern leider kaum Input in diese Richtung. Es fehlen nahezu alle Schwerpunkte des modernen Lehren und Lernens, statt dessen verharrt das Begleitmaterial im Ausfüllen von Arbeitsblättern. Das ist auf Dauer äußerst langweilig für die Lernenden und weckt mit Sicherheit kaum Lesemotiviation, zumal alle Arbeitsblätter darauf zurückgreifen, dass Aufgaben zum Text gelöst und daraus Faktenwissen abgeleitet werden sollen. Das fiktive Element, die Erzählung als künstlerischer Text tritt vollkommen in den Hintergrund. Das wird weder der Lektüre gerecht, noch den Kompetenzerwartungen des Sachunterrichts. Auf keinen Fall aber regen die Materialien die Schüler an, häufiger zu Erzählungen oder Büchern im Allgemeinen zu greifen.Ich halte die Materialien, aber insbesondere auch das Buch daher für unausgegoren und für Unterricht in der Klassengemeinschaft für nicht geeignet. Vorstellen kann ich mir, dass die Begleitmaterialien in ein Lesetagebuch eingebunden werden. Dann böte sich im Unterricht selber die Zeit, alternative Herangehensweisen oder Vertiefungen einzusetzen.Ich habe das Begleitmaterial daher nach Durchsicht wieder zurückgeschickt.