Vielen gilt Arthur Schopenhauer (1788-1860) als der mit Abstand größte und brillanteste Pessimist. Dabei trägt er nur das zusammen, was jeder selbst beobachten könnte. Und seine Schlußfolgerungen sind gut nachvollziehbar.Alle Erkenntnisse aus dieser Faktenlage können jedem Individuum eine immense Hilfe sein. Und da ist das überaus Positive was uns Schopenhauer auch heute zu sagen hat, beispielsweise seine Aphorismen, die er im reiferen Alter verfasste. Sie gehören zu seinen populären Texten, die ich dankbar lese. Darin hat Schopenhauer die Güter des menschlichen Lebens unterteilt in:1) Was Einer IST (Persönlichkeit, Gesundheit, Kraft, Schönheit, Temperament, moralischer Charakter, Intelligenz und Ausbildung derselben).2) Was Einer HAT (also Eigentum, Besitz).3) Was Einer VORSTELLT (was er in der Vorstellung Anderer ist).Punkt 1) beschreibt, was ein Mensch an sich selber hat (sein innerer Reichtum). Die Punkte 2) und 3) sind die Dinge außerhalb von ihm (der äußere Reichtum).Zu 1) schreibt er z.B.: Ein geistreicher Mensch hat, in gänzlicher Einsamkeit, an seinen eigenen Gedanken und Phantasien vortreffliche Unterhaltung, währen von einem Stumpfen die fortwährende Abwechslung von Gesellschaften, Schauspielen, Ausfahrten und Lustbarkeiten, die marternde Langeweile nicht abzuwehren vermag. ... Also was Einer AN SICH SELBER HAT ist zu seinem Lebensglücke das Wesentlichste. ... Je mehr Einer von sich selber hat, desto weiniger bedarf er von außen und desto weniger können die Übrigen ihm sein. Darum führt die Eminenz des Geistes zu Ungeselligkeit. Ja, wenn die Qualität der Gesellschaft sich durch Quantität ersetzen ließe, da wäre es der Mühe wert ... aber leider geben hundert Narren auf einem Haufen, noch keinen gescheiten Mann.Brilliant! Schopenhauer war übrigens berüchtigt für seine spitze Zunge. Seine Aphorismen sind eine gute Wahl diese kennenzulernen.Zu Ehre, Rang und Ruhm und die Triebfeder danach zu streben meint Schopenhauer, dies könnte auf einen Mangel an individuellen Eigenschaften hinweisen. Arthur Schopenhauer war ein Vordenker der Psychoanalyse. Sigmund Freud hat Schopenhauer gelesen. Was bei Freud das Umbewusste ist, nennt Schopenhauer den (blinden) Willen.Interessant und hochaktuell ist aus meiner Sicht, was Schopenhauer über den Nationalismus aufdeckt und den sogenannten Nationalcharakter. Es lohnt sich, den Philosophen Arthur Schopenhauer kennenzulernen. Indes, zwei bis drei Stellen zum Kopfschütteln hat sein Werk auch.Nachteilig am Buch dieses Verlages ist die kleine Schrift. Andere Bücher aus dieser Reihe (vom gleichen Verlag) haben diesen Nachteil nicht. Nur bei Schopenhauers Aphorismen hatte man wohl versucht alles auf 145 Seiten unterzubringen. Andererseits hat der Leser nun ein sehr handliches Buch vor sich, das nicht sonderlich viel wiegt und sein Preis ist erstaunlich günstig. Erwähnen sollte ich wohl auch, dass es kein Vorwort oder Inhaltsverzeichnis gibt, und dass die gelegentlichen Zitate in Griechisch, Lateinisch, Französisch, Englisch, Spanisch, usw. selten übersetzt sind. Ich habe einfach weitergelesen und den Inhalt doch verstehen können.Also Inhalt: 5 Sterne, Aufmachung: 3 Sterne. Das macht gemittelt 4 Sterne. Inhaltlich gebe ich eine klare Lese-Empehlung.
Wurde zurück geschickt. Zu eng bedruckt, kann man nicht lesen.Habe nicht geschaut, was drin steht - es war eine Reihe von Buchstaben, daher nehme ich an, der Inhalt ist korrekt.
Im Vergleich zu Nietsches "Ecce Homo" ist die Sprache von Schopenhauer und hier besonders die lang gezogenen und mit Gedanken, Ideen und Hinweisen vollgestopften Saetzen, um einiges komplexer, was die Lesezeit des nahezu gleich dicken (von der Seitenanzahl betrachtet) Buches deutlich erhoeht.Die Wortdefinitionen, welche diesem ueberarbeitete Auflage des Werkes, koennen im Regelfall nicht beachtet werden. Der Allgemeinbildung sei dank, kann man grob erahnen ob es sich bei manchen Woertern um Personen vergangener Zeitalter handelt, oder nicht. Da im Buch, fuer mein Wissensstand des deutschen Sprachgebrauchs, auch Woerter dabei waren, welche keine Definition inne hatten, bin ich nach der Haelfte des Buchs dazu uebergegangen, diese Definitionen groszzuegig nicht zu beachten.Man sollte sich bewusst sein, dass dieses Werk schon viele Monde "auf dem Buckel" hat, was bei einigen Ausspruechen erkennbar ist. Ist man nicht zu zart besaitet und ist sich dem Sprachgebrauch der damaligen Zeit bewusst, stoeren einem die ab und an aufblitzenden Ansichten wenig.Generell, und das muss man bewundernd anerkennen, ist das Buch eindeutig fuer "mehr" geschrieben. Es ist ueberraschend, dass sowohl ein zweiter Leser, wie auch ich, sich jeder fuer sich im Buch wieder entdeckt hat. Gegen Ende geht man gar der Annahme, dass man, laut Schopenhauer, schon zu den aelteren Menschen zaehlen muss, da man eine gewisse Weltansicht vertritt die man, wohl in der damaligen Zeit, erst im reiferen Alter erreicht. Natuerlich spielen hierbei auch bereits gelesene Buecher, wie auch eine gewisse, immaterielle Lebensart eine Rolle, denn diese ist, laut Schopenhauer, dass geringere Uebel.Wie Eingangs angedeutet habe, empfehle ich dieses Buch jedem, der auch gleich mit Nitzsches "Ecce Homo" dazu bestellt. Mit beiden Buechern im Sinn, kann man seine Gedankenwelt durchaus in einen befreienden Zustand versetzen.