Es ist eine Geschichte, die nahtlos an vorangegangene Ereignisse anknüpft. Sehr lebendig beschrieben und wie es sich gehört, eird ein Spannungsbogen aufgebaut, der bis zum Schluss nicht abreißt
Warum soll ich eine Rezension für dieses Buch schreiben, wo es doch bereits – Stand heute – 555 davon gibt. Ganz einfach – das Buch hat auch eine 556. verdient und in den Rezensionen, die ich gelesen habe, hat ein Aspekt gefehlt, der mir sehr wesentlich erscheint und den ich ergänzen möchte.„Schneewittchen muss sterben“ ist der vierte Krimi um das Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff. Für mich war es der erste dieser Reihe und ich hatte keine Probleme, ohne Lektüre der drei Vorgängerromane in die Geschichte reinzukommen. In dem Roman geht es um Tobias Satorius. Der Krimi beginnt mit seiner Freilassung aus dem Gefängnis. Dort hat er eine zehnjährige Haftstrafe abgesessen, für die er als 20-jähriger für den Doppelmord an seine ehemaligen Freundin Sophie und seiner aktuellen Freundin Stefanie („Schneewittchen“) verurteilt wurde. Aufgrund eines Filmrisses weiß Tobias nicht, ob er diese Verbrechen tatsächlich begangen hat. Auf jeden Fall hatte er vor dem Mord eine verheißungsvollen Zukunft vor sich. Gut aussehend und Schwarm aller Mädchen in dem kleinen Dorf Altenhain im Taunus, hatte er das Einser-Abitur frisch in der Tasche und einen Studienplatz für Medizin ebenso. Seine Eltern betrieben die gut gehende Dorfwirtschaft und alles schien im Lot zu sein. Alles lief gut, bis ihm seine Freundin den Laufpass gab und er für den Doppelmord an ihr und ihrer Vorgängerin– die Leichen wurden nie gefunden – für die Höchststrafe von zehn Jahren in den Knast wanderte. Als er nach seiner Entlassung in das Dorf zurückkehrt, will ihn dort niemand mehr sehen. Allein die 17-jährige Amelie, eine Berliner Großstadtjugendliche (mit erstaunlich großer Ähnlichkeit zum ermordeten „Schneewittchen“), die zu ihrem Vater und ihrer Stiefmutter in die Provinz abgeschoben wurde und spätestens mit ihrer Volljährigkeit zurück nach Berlin will, interessiert sich für Tobias und freundet sich mit ihm an. Als dann Amelie auch noch verschwindet, formiert sich der Dorfwiderstand zur Lynchjustiz gegen Tobias.Der Krimi ist sehr spannend erzählt und hat mich rasch in seinen Bann gezogen. Das Ermittlerduo Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein sowie ihr Team, das mit einigen internen Schwierigkeiten bis hin zu Suspendierungen zu kämpfen hat, sind gut charakterisiert. Beide kämpfen mit privaten Problemen. Er wird nach 25 Jahren Ehe von seiner Frau betrogen, sie will mit ihrem Partner zusammenziehen und dafür den Hof, den sie vor einigen Jahren gekauft hat, ausbauen. Da die Vorbesitzer diesen aber illegal ausgebaut haben, verfügt die Kommune eine Abrissverfügung. Die privaten Sorgen der beiden Ermittler fand ich interessant und trugen dazu bei, ihre Charaktere schärfer zu zeichnen. Sie überlagerten die Krimihandlung nicht unangenehm, sondern waren eine gute Ergänzung.Die beiden interessantesten Figuren waren für mich aber die aufmüpfige Amelie, die sich ohne Vorurteile mit Tobias anfreundete sowie der Autist Thies. Beide zusammen tragen dann auch wesentlich zur Aufklärung des wirklich sehr spannenden Falles bei. Ihren Mut bezahlen sie dabei beinahe mit ihrem Leben. Insgesamt gibt es viele weitere Akteure und es ist schon sehr nervenaufreibend, dass manche sich zunächst als sehr vertrauenerweckend, dann aber als umso heimtückischer und betrügerischer erweisen. So weiß man als Leser bald nicht mehr, wem man überhaupt noch vertrauen kann. Der ganze Krimi ist sehr spannend erzählt, weist viele Wendungen auf und die letzten hundert Seiten sind ein einziger Höhepunkt.So weit, so gut und volle fünf Sterne. Aber eines hat mir absolut gefehlt. So gut die anderen Charaktere gezeichnet waren, so blass blieb ausgerechnet Tobias. Man kriegt kaum mit, wie er mit den zehn Jahren im Gefängnis zurecht gekommen ist. Und auch die die Auswirkungen der Intrige gegen ihn, in die fast das halbe Dorf involviert ist, sowie die zahlreichen Schicksalsschläge, die er nach seiner Entlassung erfährt sowie die Auswirkungen des Vertrauensmissbrauchs der wenigen ihm verbliebenen Vertrauenspersonen werden nicht einmal oberflächlich beschrieben. Hier hätte man aus dem Roman deutlich mehr machen können. Aber insgesamt ist es trotzdem ein herausragen spannender Krimi mit interessanten Ermittlern, einer guten Story und vielen interessanten Wendungen, der mich bestens unterhalten hat und für den ich gerne vier Sterne vergebe. Ich werde auf jeden Fall mehr von Nele Neuhaus, Pia Kirchoff und Oliver von Bodenstein lesen.Nervig waren die zahllosen Rechtschreibfehler in der Kindle-Version. So wurden hunderte von zusammen zu schreibenden Wörtern getrennt, was den Lesefluss manchmal ziemlich störte. Dieser Fehler ist allerdings nicht Nele Neuhaus anzulasten, hier sollte amazon nachbessern.