Inhalt:Aachen im Jahr 1412: Klas, der Geselle von Reinold, liegt erschlagen im Dom und bei ihm wurde eine falsche Reliquie gefunden. Reinold wird kurze Zeit später in Haft genommen und verdächtigt, seinen Gesellen erschlagen zu haben. Marysa, seine Ehefrau, glaubt aber nicht daran und macht sich mit dem Mönch Christopherus auf die Suche nach dem wahren Täter. Dabei stoßen sie auf noch mehr gefälschte Reliquien, viele Geheimnisse und Verschwörungen...Meine Meinung:Diesmal lernen wir Marysa kennen und mit ihr hat Petra Schier eine Frauenfigur erschaffen, die sich von den anderen Frauen in ihren Romanen unterscheidet. Aufgewachsen in einem eher liberalen Haus, muss sie nach dem Tod ihres Vaters die Ehe mit Reinold eingehen. Ihr Ehemann unterdrückt sie sehr und als wir sie kennenlernen ist von der ehemals selbstbewußten Frau nicht mehr viel vorhanden.Im Laufe des Buches entwickelt sie sich und beginnt mit zaghaften Versuchen sich ein Stück Respekt in ihrer Ehe zu verschaffen. Dies hat mir sehr gut gefallen, weil es sich von den anderen Romanen abhebt. Na klar, lese ich auch lieber über die große Liebe und tiefen Gefühle von zwei Menschen, doch im Mittelalter gab es halt auch die Ehe, die aus Gründen der Vernunft geschlossen wurden. Aber die Ehe ist jetzt nicht nur schlecht, sondern es gab auch nette Momente, zwischen Reinold und Marysa, in denen ich schmunzeln musste. Marysa ist halt eine Frau mit einem großen Herz und die weiß, wie sie sich in den gesteckten Rahmen bewegen kann und diese ein wenig ausweiten kann. Reinold, auch wenn er sehr Ich-bezogen ist und Eifersüchtig und vom Jähzorn getrieben, hat an manchen Stellen ein klein wenig Humor bewiesen und Lockerheit.Der Fall war wieder sehr spannend. Spannung pur bis zur letzten Seite. Es wurden falsche Fährten gelegt und ja, ich habe mich verleiten lassen, sie zu verfolgen, so dass ich zwischendurch überhaupt nicht mehr, wem ich noch trauen kann. Der Mörder ist eigentlich ein sehr ruhiger und netter Mensch, den das schlechte Gewissen plagt, während der Auftraggeber ein richtig allglatter Mensch ist. Doch es gibt viele Figuren in der Geschichte, denen man vieles zutrauen kann.Gespickt ist der Fall immer mit kurzen Ausschnitten eines Gesprächs zwischen dem Auftraggeber und dem Mörder. Dies macht es dann noch spannender.Als Handlungsort ist Aachen auserkoren. Petra Schier gelingt es wunderbar die Stimmungen der Stadt während der Heiltumsweisung einzufangen. Ich hatte das Gefühl mittendrin zu sein, während die Menge jubelt und in ihre Achthörner bläst. Alle Personen in diesem Roman sind so unterschiedlich und lebendig herausgearbeitet. Das Buch, die Stadt, wurden lebendig dank der unvergleichbaren Schreibweise einer Autorin, die es schafft, ihren Bücher ein wenig Leben einzuhauchen. Man merkt ich bin wieder einmal begeistert.Das Ende ist schlüssig, der Fall logisch gelöst und viele Geheimnisse gelüftet. Aber nicht alles wurde verraten und ich freue mich auf die weiteren Bänder, in der Hoffnung auch die letzen Fragen noch beantworten zu können.Als Anhang gibt es einiges an historischen Hintergründen und das Rezept von Marysas Lieblingsspeise. Und die ist wirklich lecker und süss. Sowas mag ich immer und bringt einem das Buch noch ein wenig näher. Aber es sind auch reichlich Infos im Buch mit verpackt.Fazit:Petra Schier schafft es mit wenigen Sätzen, dass man in eine komplett andere Welt eintauchen kann. Ein großartiges Buch!
Die war mein erstes Buch von Petra Schier und es wird bestimmt auch nicht das letzte sein, wenn ich auch mit einen Punkten in diesem Buch meine Schwierigkeiten hatte. Die ersten zwei Drittel haben mir wirklich gut gefallen. Es sind liebenswerte, schwierige, geheimnisvolle Protagonisten mit Licht- und Schattenseiten, bei denen fast keiner blass bleibt, selbst die Hausangestellten haben ein Gesicht und eine Stimme und das ist gerade bei Historischen Romanen nicht häufig der Fall. All diese Figuren sind eingebettet in die Geschehnisse um die Heiltumsfahrt 1412 in Aachen und genau so etwas mag ich besonders gerne - Bücher, in denen es vor Leben strotzt, in denen es in den Straßen wimmelt und in dem sich Menschen sämtlicher Bevölkerungsschichten tummeln. Hier wurde mein Beuteschema also voll getroffen. Ich habe mich allerdings schwer mit dem Schluss getan, den ich hier natürlich nicht verraten werde. Die Auflösung des Falls verpuffte für mich ein wenig in der Luft und hatte mir zu wenig Aha-Effekt. Zudem blieb für meinen Geschmack zu viel offen - hier ist deutlich zu merken, dass die Geschichte um Marysa als Mehrteiler ausgelegt ist - während andere Geheimnisse quasi auf der vorletzten Seite im Vorbeigehen gelüftet wurden, während man als Leser die ganze Zeit auf etwas ganz anderes gehofft und gewartet hat.Nichts desto trotz hat mich das Buch gut unterhalten und ich fand auch die Erzählgeschwindigkeit genau richtig. Die Fortsetzung werde ich auf jeden Fall lesen. Ich möchte ja schon wissen, wie es weitergeht.