Gerade wenn man sich bereits seit einiger Zeit auf dem spirituellen Weg bemüht, kann es passieren, dass sich eine gewisse geistige Ernüchterung einstellt, weil man in den immergleichen Antworten der spirituellen Literatur dieses Eine vermisst, diese spürbare geistige Inspiration, die tief ins Herz geht und den Weg aufzeigt zu echter innerer Wandlung.Umso mehr kann es zum unverhofften Geschenk werden, wenn sich aus dem Einheitsbrei esoterischer Wohlfühl-Literatur auf einmal eine Stimme erhebt, die in ihrer Kraft und Klarheit wirklich zu berühren vermag.So ist es mir ergangen, als ich das neue Hörbuch „Wahres Leben aus Zen“ von Zensho W. Kopp in Händen hielt. In elf Kapiteln, eingängig gelesen von Helge Heynold, geht Zensho diesen entscheidenden Schritt weiter als viele vergleichbare Autoren: er durchdringt in klaren Worten das Geflecht unserer geistigen Gewohnheiten und Konditionierungen und stößt uns unmittelbar in die dahinterliegende Weite der geistigen Klarheit. Hier wird endlich wieder einmal spürbar, was echte Meditation bedeuten kann, jenseits von bloßer Bewusstseins-Beruhigung: tiefe Einswerdung mit dem unnennbaren Urgrund unseres Seins. Und für diesen Weg gibt uns Zensho praktische Mittel an die Hand, unterfüttert mit Texten sowohl der alten Zen-Meister als auch der Erwachten anderer Religionen. So wird der Weg zum wahren Sein zur echten, gelebten Praxis!Klar, es ist nicht immer angenehm, wenn die eigene Bequemlichkeit des gewohnheitsmäßigen Denkens und Beurteilens in Frage gestellt wird. Aber ist nicht genau das der Grund, warum sich ein Mensch auf die Suche begibt: weil er spürt, dass hinter dem ständigen Widerstreit von Ja und Nein im eigenen Bewusstsein eine tiefe Wahrheit liegt, die hinter allen eigenen Meinungen tief im eigenen Innersten erfahrbar ist?Diese tiefe Erfahrung im eigenen Inneren ist in Zenshos Worten jederzeit deutlich spürbar, und sie rückt in greifbare Nähe. Und so ist mir dieses Hörbuch zu einem echten spirituellen Freund und Begleiter auf meinem Weg geworden.Für mich ein richtiges kleines Meisterwerk!
Leben im Einklang mit Zen ist für den gewöhnlichen Schüler des geistigen Weges schon schwer genug – auch deshalb, weil es hierfür keine Anleitung gibt und er weiß, dass das Geheimnis im Nichttun, dem Wu wei, liegt. Also genau dem, was dem westlichen Menschen am schwersten fallen dürfte und was Zen-Meisters Huang-po aus dem 9. Jahrhundert wie folgt auf den Punkt brachte: „Wenn ihr auf dem Weg des Zen Verwirklichung erlangen wollt, braucht ihr keinerlei Lehre zu studieren. Ihr müsst nur lernen, wie ihr es vermeidet, nach etwas zu suchen und euch an irgendetwas zu klammern“.Genau dieser Thematik nimmt sich Zenmeister Zensho W. Kopp in seinem neuesten Buch „Wahres Leben aus Zen“ an (siehe auch das vorangegangene, gleichnamige Hörbuch im Verlag Steinbach sprechende Bücher). Darin wird deutlich, dass dieses „wahre Leben“ keinesfalls irgendeine Art von gesellschaftlichem Rückzug bedeutet, sondern genau hier und jetzt stattfindet: im alltäglichen Leben. Genau deshalb trägt Zenshos Buch, das im Oktober 2015 im EchnAton Verlag erschienen ist, auch den Untertitel „Spirituelle Selbstverwirklichung im täglichen Leben“.Dem Vorwort folgt eine ausführliche Einführung (beides von Zensho W. Kopp), mit dem die Leser auf das 143 Seiten starke Buch eingestimmt werden.In elf Kapiteln wird in der für Zenmeister Zensho typischen, deutlich-klaren, aber auch herzlich-humorvollen Sprache, die Essenz des Zen vermittelt. Diese lässt kaum Raum für Interpretationen und Illusionen, trifft aber den Leser, der sich darauf einlässt, mitten ins Herz: eine wahre Freude, bleiben doch viele andere Bücher auf einer eher theoretischen oder auch esoterisch-schöngefärbten Ebene.Eine echte Bereicherung sind, neben den von Zensho erläuterten Zitaten alter chinesischer Meister, auch die zahlreichen ansprechenden Bilder in den einzelnen Kapiteln.So gelingt es Zensho in seinem Buch erneut, sich dem Unsagbaren mit Worten zu nähern und uns unsere dualistische Denkweise vor Augen zu führen, die sich oftmals in dem Paradoxon zu verlieren droht, dass wir geistig Suchende sind, die sich darin üben, das Suchen aufzugeben.Denn eigentlich ist es ja ganz einfach: Schon längst sitzen wir auf dem Ochsen, den wir verzweifelt suchen.