Nun, Menschen erleben unterschiedlich. Der Rezensent der nur einen Stern vergab(telemacho) hat andere Erwartungen und Meßlatten als ich. Ich bin total zufrieden-zum einen mit dem hervoragenden so feinfühlig geschriebenen Text des John le Carre, voll berührender Bilder und Charaktere, als auch mit Claude Oliver Rudolfs Art zu lesen: ich liebe es wie er liest. Überzeugt Euch selbst: warme ruhige Stimme, laßt viel Raum für Gefühle, gibt dem Inhalt Kraft und Tiefe.Ich wette Frauen finden das erst recht.....diese Stimme!! Vielleicht ist telemacho ein wenig neidisch ???
Bruno Salvador, kurz Salvo, ist ein Kind eines irischen Missionars und einer kongolesischen Krankenschwester. Ein Kind das es nicht gibt. Als solches kommt er nach England wo er fortan als Dolmetscher für diverse afrikanische Sprachen arbeitet. Zudem ist er mit einer egoistischen Business-Journalistin unglücklich verheiratet.Bis er bei einer seiner ehrenamtlichen Übersetzungsarbeiten im Krankenhaus die ebenfalls aus dem Kongo stammende Krankenschwester Hannah kennen und lieben lernt. Mit ihr und in Folge eines Auftrages, bei dem er bei einem geheimen Treffen dolmetscht, stolpert der naiv-gutgläubige Salvo in eine Intrige bei der sein geliebtes Kivu im Ostkongo (erneut) ausgebeutet und ausgeblutet werden soll.Geheime Melodie ist ein leises, komplexes Agentenszenario welches auf reisserische Effekte á la James Bond wie Verfolgungsjagden, Explosionen, Schlägereien etc. komplett verzichtet. Dementsprechend können die ersten 150 Seiten durchaus langweilig erscheinen, spätestens mit dem Ende der Konferenz, bei der es um das Schicksal des Kongo geht, nimmt die Story aber richtig Fahrt auf. Allerdings ohne Effekthascherei, John le Carré versteht es mit leisen Tönen die ganze Ingnoranz und fehlende Toleranz auf allen Seiten darzustellen. Keine einzige Partei kommt gut weg, wenn man mal vom gebeutelten Volk des Kongo absieht. Die Engländer mit ihrer im Grunde latent allgegenwärtigen Ausländerfeindlichkeit, die Afrikaner mit ihrer Rückständigkeit und ebenfalls allgegenwärtigen Korruption und Bestechlichkeit zeichnen das Bild einer komplett verfahrenen Situation. Unser naiv-blinder Held Salvo glaubt allen Ernstes noch an das Gute im Menschen und daran, dass die Konferenz etwas am Zustand des Kongo ändern kann.Tja, ob er recht hat müssen Sie selbst lesen. Wenn Sie auf Krach-Bumm verzichten können und mehr Wert auf eine durchdachte, komplexe Handlung legen sowie eine versierte Sprache und vernünftig ausgearbeitete Charaktere bevorzugen sind Sie hier goldrichtig. Einfache Storys mit Knalleffekten finden sich hier nicht.