Ich habe mich seit meinem Biologiestudium intensiv mit dem Thema Evolution befasst, zuletzt insbesondere mit der Rolle von (globalen) Katastrophen und der Frage, ob der Mensch "zufällig" oder zwangsläufig entstanden ist. Das Thema hat mich so fasziniert, dfass ich es zum Gegenstand meines Wissenschaftsromens "Armin - (R)Evolution auf Madagaskar" gemacht habe. In diesem Zusammenhang habe ich natürlich viel zum Thema Evolution gelesen, u.a. das von Axel Ziemke zitierte Buch von Simon Conway Morris. Als ich auf das Buch von Axel Ziemke gestoßen bin, war ich zunächst etwas skeptisch und erwartete eine gehörige Portion Esoterik. Weit gefehlt: Eine dermaßen aktuelle Zusammenfassung des wissenschftlichen Stands kenne ich bisher nicht, gleichzeitig fand ich die Verbindung mit Goethes Metamorphosetheorie und der "Heuristik des Schönen" faszinierend. Fazit: Auch für selbsternannte Evolutionsexperten sehr lesenswert!
Mit der Lektüre dieses Buches beginnt ein neues Gesamtbild von Evolution vor das Auge zu treten, das weder auf die konventionell-materialistische Zufallsentwicklung noch auf vor-aufklärerische, von irgendwo außerhalb gesteuerte Eingriffe zurückgreift. Es ist vielmehr ein Bild, in dem zunehmendes Lernen und wachsende Bewusstheit sich in biologischen Prozessen und Funktionen selbständig organisieren und erhalten – ein Bild von “Geist in Aktion” also, wenn man so will, der aber nicht von außerhalb, sondern ganz innerhalb des Lebens, und zwar bis in seine genetischen Funktionen hinunter, verankert ist.Die Wirkung dieser die Stofflichkeit umwandelnden und von innen heraus durchdringenden Kraft ist mit einer klassischen Definition die des “schönen Scheins”. Axel Ziemke überrascht am Ende seines Buches mit diesem Gedanken und führt die Schönheit als evolutionäre Kategorie ein. Dies nicht etwa mit dem trivialen Ziel, der Schönheit (die wir doch seit Kant gerade als zweckfrei verstehen) irgendeinen evolutionären Nutzen unterzuschieben, sondern vielmehr in dem Sinne, dass die zunehmende Durchdringung der Stofflichkeit in immer differenzierteren und höheren Formen zu ihrem schönen Scheinen führt. Man darf hier von einer originären und innovativen Fortschreibung des Evolutionsdenkens sprechen, die Ziemke mit seinem Buch gelungen ist, und die keineswegs Theorie bleibt, sondern zu einem neuen Blick für die “Schöpfung” führt.