Alberto Angela nähert sich in seiner vorliegenden Kleopatra-Biographie der ptolemäischen Herrscherin von der belletristischen Seite im Stile einer Erzählung. Dabei ist ihm in erster Linie daran gelegen, dass sich der Leser in die handelnden Personen hineinversetzen kann und dadurch Anschaulichkeit und Verständnis vermittelt wird.Dies mag nicht jedermanns Sache sein und bei einigen Altphilologen unter Umständen Widerwillen verursachen, hat aber im Gegenzug den Vorteil, dass die antike Szenerie lebhafter und damit auch einprägsamer empfunden wird. Dabei arbeitet Angela dennoch faktenorientiert und muss lediglich bei der Gefühlswelt von Kleopatra, Cäsar und Co. mit einigen Vermutungen arbeiten.Zu Beginn des Werks schildert Angela die Geschehnisse rund um die Iden des März 44 v. Chr. in einer minutiösen Chronologie wie ich sie bisher selbst nicht aus den allerdings eher schwächeren Cäsar-Biographien von Canfora und Will kenne. Lebendig wird dabei nicht nur der ausschlaggebende Tatanteil des Decimus Brutus, sondern auch das persönliche Umfeld des Cäsar und seiner Frau Calpurnia sowie ihrer weiteren Widersacher Marcus Iunius Brutus und Portia. Währenddessen verharrt Kleopatra noch in Unkenntnis der Vorfälle in ihrem Palast auf der gegenüberliegenden Tiberseite, da es ihr als Ausländerin nicht gestattet ist, den heiligen Bezirk Roms, das Pomerium, zu betreten.Die Aura der Herrscherin und deren Anziehungskraft auf Cäsar und später dann auf Marcus Antonius macht Angela im Ergebnis nicht nur an den exotischen Reizen der Ägypterin, sondern auch und vor allem an ihrem Bildungsstand und ihrer frühen, quasi vorweggenommenen Emanzipation, fest. Bei der Schilderung der Schlachten von Philippi und Actium läßt dann der Spannungsbogen etwas nach. Gut gelungen finde ich wiederum den "Showdown" in Alexandria, wobei es selbstverständlich auch Angela nicht gelingt, die Todesursache der Königin endgültig zu klären.Der Erzählstil des Autors ist meiner Meinung nach Geschmackssache. Ich selbst hatte damit einige schöne Lesestunden.
"Antonius starke Hände umfassen den zarten Körper der Königin...ein langer leidenschaftlicher Kuss raubt ihnen schier den Verstand...atemlos küssen sie sich. auf den Mund, auf den Hals, Antonius liebkost mit den lLippen ihre entblößte Brust....die Krone fällt zu Boden...etcetcDer Anspruch ist, ein historische Buch zu sein. Ist es auch in den Abläufen. Dazu aber viel Schwulst, Fantasy und Groschenroman. Deshalb zwei Punkte Abzug.