Das insbesondere an Erstklässler, bzw. baldige Erstklässler gerichtete Buch verfolgt eigentlich ein hehres Ziel: Aus dem Schulalltag in einer Form berichten, in der sämtliche möglichen Ängste adressiert werden und am Ende alles gut ausgeht, sodass die Angst vom dem ersten Schultag etwas genommen wird. Transformiert in die Welt der Tiere wird am Beispiel von Gorillas, Giraffen, Pinguinen und Faultieren in jeder kleinen Geschichte ein Szenario dargestellt, wie man es sich schlimmstenfalls ausmalt, wenn man seinen ersten Schultag noch vor sich hat. Die vermenschlichten Tierkinder werden als Stereotype dargestellt, die in wunderbar plakativen und witzigen Illustrationen die kleinen Leser schnell in die jeweilige Geschichte eintauchen lassen. Erst in der letzten Geschichte finden dann einige der Protagonisten zusammen, zunächst steht jede Geschichte nur mit dem verbindenden Element des Direktors für sich allein. Nur leider verfehlt der Anspruch des Buches in der Durchführung sein Ziel:Zunächst ist zu bemängeln, dass das Buch leider keinem akribischen Lektorat unterzogen wurde. Schon der Titel hätte mit Blick auf die Zielgruppe der Erstleser überdacht werden müssen: Wer kennt in diesem Alter schon das Wort „famos“ und was genau ist das Adjektiv „höchstfamos“ – meint man nicht eher „höchst famos“? Dann unterlaufen kleine Fehler: „Direktor“ Lernegern wird ab und zu umbenannt in „Doktor“ Lernegern (S.11) oder der Lehrer „Herr Schlürf“ wird einmal zu „Herr Schnalle“ (S.32) und auf einem Bild sind plötzlich Eisbären auf dem Siegertreppchen, die in der Geschichte gar nicht vorkamen (S.40).Des Weiteren geht tatsächlich alles schief in dieser Schule: Wärme, Geborgenheit, Zuverlässigkeit und verlässliche Strukturen strahlt diese Schule nicht aus - dabei soll doch genau das am Ende von den Erstlesern beruhigend angenommen werden. Der Direktor ist völlig verschusselt, weiß nicht wo oben und unten ist, geschweige denn hat er seinen Laden im Griff. Der kleine Gorilla hat seine Eltern verloren und heult wie verrückt, aber der Direktor hat keine Ahnung, wie er sich um das Gorilla-Kind kümmern soll. Der Hausmeister ist natürlich schrecklich brummelig und sieht Kinder nur als Unruhestifter und Chaoten. Der erste Lehrer, der in der Geschichte auftaucht, ist ein Walross, das den Schülern nicht zuhört und somit ein Stinktier in die Pinguin-Klasse steckt, obwohl es mehrmals darauf hinzuweisen versucht, dass es hier nicht hingehört. Schlussendlich wird das Stinktier gezwungen zu schwimmen, obwohl er das nicht kann. Oder der kleine Giraffen-Junge, der von fiesen großen Jungs gehänselt wird und sich wegen seines kurzen Halses schämt. Alles entsetzliche Vorstellungen für einen Erstklässler, mit denen er in den Geschichten konfrontiert wird.Zum Glück geht am Ende alles gut aus: Das Gorilla-Kind findet seine Eltern wieder (um ganz divers zu sein, handelt es sich dabei um Chamäleons, die ihn adoptiert haben), das Stinktier lernt tauchen und darf am Ende in die richtige Klasse und der Giraffen-Junge führt bei einer Olympiade seine Klasse zum Sieg, so dass er akzeptiert wird.Das ganze Buch wirkt so, als hätten Erwachsene darüber nachgedacht, was einem Erstklässler alles Schlimmes passieren kann, hätten dies in grellen Farben ausgemalt und schlussendlich in ein maximal inklusives Happy End gegossen. Konstruiert und fern der Lebenswirklichkeit von Erstklässlern wird zunächst auf Ängsten ausgiebig herumgeritten und das Happy End unrealistisch und sehr kurz präsentiert. Die kleinen Leser fiebern mit den Protagonisten mit, haben mit ihnen Angst und sind unglaublich erleichtert, wenn die Pein ein Ende hat. Doch ob damit auch nur einem Erstklässler die Angst vor dem ersten Schultag genommen wird, mag bezweifelt werden – eher wurde er noch darauf hingewiesen, was alles schief gehen kann. Mehr irreale Probleme, mehr Witz und weniger Realsatire mit Menschen in tierischem Gewand hätten dem Buch gut getan.
In der höchstfamosen Zooschule wird es nicht langweilig: Direktor Lernegern würde bestimmt seinen Kopf vergessen, wäre er nicht angewachsen, Stinktier Skottie landet in der falschen Klasse, Giraffe Gino beweist überraschend ein erstaunliches Talent, Frau Puschel wird vor eine besondere Herausforderung gestellt, der schüchterne Paulchen traut sich was und auch schulfremde Wesen werden an der Schule herzlich aufgenommen.Jochen Till formuliert witzig, anschaulich und sehr kindgemäß mit viel wörtlicher Rede. Dank des eingängigen, lockeren Schreibstils lässt sich die Geschichte leicht und flüssig vorlesen. Steffen Gumberts farbenfrohe, klar konturierte, komische und oft ziemlich niedliche Bilder passen perfekt zu den Geschichten. Die Bilder sind nicht starr, stecken vielmehr voller Dynamik und guter Laune.Die Geschichten eignen sich zum Vorlesen für Kinder ab fünf Jahren. Fortgeschrittene Erstleser können sie auch schon selbstständig lesen. Die Schrift ist aufgrund des weiten Zeilenabstands und der Größe gut lesbar. Durch die vielen Bilder ist das Text-Bildverhältnis ausgewogen und überfordert selberlesende Kinder nicht.Eine herrlich bunte Figurentruppe bereichert die Geschichten: Ein schusseliger Katta-Direktor, ein pflichtbewusster Pandahausmeister, ein schwimmendes Stinktier, eine recht untypische Giraffe, ein überaus ungeduldiges Eichhörnchen, ein tiefenentspannntes Faultier, der schönste Vogel der Welt, eine aufgeweckte, einfühlsame Katzenbärin und viele weitere mehr. In dieser Schule werden die Tierkinder grundsätzlich von Vertretern anderer Tierarten unterrichtet. So sind die Konstellationen immer wieder überraschend. Die Tierkinder haben oft sehr menschliche Probleme. Mit ihnen können sich die Leser und Zuhörer daher bestimmt gut identifizieren.Die verschiedenen Schulabenteuer sind nicht nur warmherzig, unkonventionell, originell, phantasievoll und sehr witzig, sondern auch gleichzeitig besondere Mutmachgeschichten mit wichtigen Botschaften. Sie regen an, einen Blick über den eigenen Tellerrand zu wagen, zeigen, wie schädlich Hektik sein kann, preisen stattdessen den Wert von Entspannung und Gelassenheit, demonstrieren, dass vermeintliche Schwächen auch Stärken sein können und sind ein Plädoyer für mehr Toleranz und gegenseitiges Verständnis. Jochen Till zeigt auf höchstfamose, unterhaltsame Art, worum es in einer Gemeinschaft zum Wohlfühlen geht, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben. Das Buch bietet Erstklässlern und Vorschulkindern zahlreiche Gesprächsanlässe über das Schulleben und das soziale Miteinander, eignet sich ganz prima als Vorlesebuch in den ersten Schulwoche. Eine echte Bereicherung für jede Schultüte.