Spannender Roman über die Reise eines jungen Mannes durch die fremde Kultur Indiens und durch die Hinterlassenschaften seiner eigenen, europäischen Kultur in seinem verlorengeglaubten Selbst.M. Thiele verbindet Betrachtungen zu östlichen Spiritualitätserfahrungen, westlicher Philosophie und Psychologie zu einem Reisebericht der besonderen Art.Der Hauptheld, in seiner Heimat Europa scheinbar und so empfunden, gescheitert, reist, wie so viele West- Flüchtigen, zwecks Selbsterkenntniss nach Indien. Doch so sehr er auch versucht seine Europäischen Wunden auf tiefgründ- östliche Art zu heilen, so reproduziert er dennoch immer nur aufs neue, wieder und wieder sich selbst und seine Probleme. Bis ihm eine Frau über den Weg läuft.Doch nein, es ist kein Roman über die Heilkraft der menschlichen Liebe.Diese Frau, Theodora, scheint nicht von Fleisch und Blut zu sein, obwohl sie im Buch durchaus sehr weiblich dargestellt wird.Für mich als Leserin scheint es so, als wollte der Autor mit ihr seine eigene oder des Hauptheldes Anima sprechen lassen.Hier verschwimmen die Darstellungen der Realität mit denen der Psyche und des Spirits und eröffenen eine Zwischenzone in der tiefereErkenntnisse möglich scheinen. Wie aber soll der Protagonist das Erfahrene aus dem Abgrund wieder mit an die Oberfläche des alltäglichen Lebens nehmen?So bleibt offen, ob die Begegnung mit Theodora wirkliche Wahrheit und Heilung brachte.Sehr lesenswert für alle die sich aus europäischer Perspektive dem Fernöstlichen zugeneigt fühlen und dennoch nicht an schnelle Wunder, mühelose Heilmethoden und einfache Lösungen für die Leerstellen in Entwurzelten glauben.
"Wie ein Dieb in der Nacht kommt das Erwachen, der Schicksalsschlag, der Tod, drum passt auf euer inneres Licht auf..."Wie die ambivalente Gedankenwelt des Hauptakteurs, so wechselt auch die Sprache zwischen nüchterner Klarheit bis hin zu einer Poesie berührender Bilder, ohne gekünstelt zu werden. Man wird Teil beseelter Stimmungsstrukturen.Hineingewebte Metaphern und psychologisch-philosophisch-mythologische Gedankenbögen bleiben unaufdringlich. Denn alles - und das ist für mich das wahrlich Großartige an diesem Buch - was gedanklich aufgestellt wird, wird auch wieder umgeworfen, in Frage gestellt und zeigt mit dieser unscheinbaren Geste anschaulich, wie eingeschränkt - aber auch spannend - unser Zugang zur Wirklichkeit und auch zu uns selbst ist und bleibt.Wenn man sich auf all das einlässt, bekommt man noch einiges mehr als eine gute Selbstfindungs,- oder Liebesgeschichte. Letztlich ist dies dem Schreib,- und Gedankenstil zu verdanken. Selbst in einer Landschaftsbeschreibung schwingt das Tiefschürfende mit, das Doppelbödige, vielleicht auch „ein Hauch Schizophrenie“, weil das Leben ja so uneindeutig ist.Leichtfertige Kost ist es nicht, und es bleibt einem auch nicht viel Spielraum, was man nehmen möchte, wie tief man mitgeht. Der Titel hält in jedem Fall, was er verspricht, daran kommt man keinesfalls vorbei. Will man aber auch nicht.Ein inspirierendes Buch, das man nur aus einem Grund zumacht: um weiter nachzudenken.
Selten hat ein Werk mit Inhalt und Sprache so in den Bann gezogen ... seit Hesse mit Siddharta und Glasperlenspiel habe ich keinen solchen Zauber der Worte mit dieser unbeschreiblichen Tiefe in Mystik und Sinnfindung genießen können. Freue mich bereits jetzt auf das neue Werk!