Soll ich nach Spanien fliegen? Wem sich diese Frage vor 75 Jahren stellte, wollte nicht in Urlaub. Vielmehr opferte er diesen und oft genug ein oder zwei Berufsjahre obendrauf. Nach Spanien ging es, um zu kämpfen: für die Bürgerlichen um Freiheit und Demokratie, für die Arbeiter um die Weltrevolution, für alle zusammen gegen den von Hitler und Mussolini unterstützten Faschisten Franco. In den Internationalen Brigaden fochten Arbeiter und Intellektuelle aus ganz Europa. Während sich letztere die Bahnreise über die Pyrenäen meist selber leisten konnten, organisierten linke Parteien und Gewerkschaften für ihre Mitglieder Sammeltransporte.Wie aber kam ein Tiroler Bauer, durch die Erzählungen eines Wanderarbeiters über gelebte Solidarität und kooperativ betriebene Landwirtschaft für Spanien entflammt, doch arm und unorganisiert, dorthin? Indem er sein Vieh verkaufte - und die Geschichte einem Reporter erzählte, dem Max Bair gleich nach der Ankunft über den Weg gelaufen war. "Die Kameraden ringsumher fingen zu lachen an", beschreibt Egon Erwin Kisch die erste Reaktion auf Bairs Schilderung, "keiner von den Kameraden ringsumher hat seine Fahrkarte nach Spanien aus seinem Bankkonto bezahlt." Kischs einfühlsame, aber mit leichtem Ton geschriebene Reportage folgt Bairs Weg in den Bürgerkrieg. Dort endet sie auch.Wie ging es mit Bair weiter? Diese Frage beantwortet im zweiten Teil des Buchs der Historiker Joachim Gatterer. Der überzeugte Kommunist Kisch nahm auch weiter Anteil an Bairs Schicksal und den naiven, aber alles andere als dummen Neuankömmling unter seine Fittiche. Die Freundschaft ging über den Spanischen Bürgerkrieg hinaus und hielt auch noch nach dem anschließenden Weltkrieg. Kisch starb 1948 in Prag. Bair sollte ihn um mehr als ein halbes Jahrhundert überleben. Er starb am 25. Juli 2000 in Berlin, unter anderem Namen. Auch der zweite Teil von Bairs Leben ist es wert, erzählt zu werden. Dank Gatterer liegt dieser nun vor - ein spannendes und informatives, rundum gelungenes Buch!