Das Buch ist alleinstehend in seiner Schilderung der Lebensgeschichten von jüdischen Glaubensangehörigen, die in Bozen und Meran einst lebten. Alles ist genauestens recherchiert von den Autoren und die Menschen, von denen das Buch handelt, werden dadurch wieder lebendig. Endlich gibt es so ein Buch. Wenn man hört, daß 6 Millionen Juden ermordet wurden, ist es beinahe etwas wie eine statistische Zahl. Es ist auch für Antisemiten sehr leicht, diese Morde zu leugnen. Aber dieses Buch schildert Schicksale die unleugbar sind. Ich hatte das Buch bei mir in Südtirol und bin einzelne Stationen in Meran nachgegangen. Die Zeit war viel zu kurz dafür und trotzdem! Ich habe das zweite Exemplar bereits an einen Südtiroler Arzt verschenkt. Wir sind beide der Meinung, dass dieses Buch unbedingt ins Englische übersetzt werden sollte, für all die vielen Menschen jeder Glaubensrichtung, die Anteil am Schicksal von Verfolgten und Ermordeten nehmen. Leid verjährt nicht. Esi Walton
Mörderische Heimat ist ein Werk mit absoluten Alleinstellungsmerkmalen! Die wissenschaftlich fundierten Berichte, basieren auf umfangreiche Recherchen und vermitteln dem Leser das Leben und Wirken der jüdischen Gemeinschaft in Meran und Bozen, vor und während der Schoah. Zahlreiche Bilder, Daten, Interviews, Erinnerungen und Zitate aus Briefen und anderen Quellen machen die Thematik des Buches greifbar, erfassbar und verständlich. Dabei könnte der Titel nicht treffender sein, denn es handelt sich tatsächlich um „verdrängte Lebensgeschichten“, einer Gesellschaft, welche für die Entwicklung des Kurtourismus in Meraner und der Südtiroler Wirtschaft maßgeblich wegbereitend war - aber eben heute kaum noch im kollektiven Gedächtnis präsent ist. Das Buch berichtet zunächst von einer glanzvollen Zeit, voller Kultur und Lebensfreude rund um die wachsende jüdische Gemeinschaft, aber auch von einem wachsenden Antisemitismus, gegenüber dieser, in der restlichen Gesellschaft. Durch den Eintritt in das wohl dunkelste Zeitalter der europäischen Geschichte verschlimmert sich die Lage der jüdischen Gesellschaft in Bozen und Meran dramatisch … das Leben wird zum Kampf ums Überleben. Die Autoren des Buches schaffen es genau diese Entwicklung im Allgemeinen und im weiteren Verlauf des Buches in Form von zahlreichen Einzelschicksalen zu vermitteln. Vor allem darin liegt der Wert dieses Buches. Aufgrund der enormen Masse an aufgearbeitetem Quellen, zahlreicher Lebensgeschichten und Schicksalsschlägen, welche im Buch geschildert werden – und untereinander in Verbindung stehen – ist das Buch tief emotional, fundiert, spannend und sehr, sehr anspruchsvoll!Dennoch oder gerade deshalb: Absolut lesenswert!