Warum? Dazu möchte ich etwas ausholen.Nun, gerade in 2014 jährt sich der WKI. Er ist thematisiert, die TV-Medien bringen ihn inzwischen aufdigitalisiert in Farbe... Aber was ist thmatisiert? Wir kennen den WKI als Schlagwort wie Verdun, Russland, Schlacht an der Somme... Unzählige Schriftsteller haben sich verewigt, wie zum Beispiel Arnold Zweig, Ernst Jünger, Remarque, Ettighofer. Alle klagen an, teils in Romanform, teil als Erzählung.Aber allen gemein ist, dass sie die wahren Verursacher und Nutzniesser des Krieges nicht direkt als solche aufzeigen und anklagen. Zweig nähert sich dem als Einziger an. Das Schlimme: Selbst heute kann man im TV zwar bis ins Detail aufgearbeitete und neu colorierte, beeindruckende Filmaufnahmen sehen - aber die Wahrheit über die Nutzniesser, die damals bis heute (!) an Kriegen verdienen - sie wird schlicht und einfach nicht als solche benannt.Der Skandal ist bis heute, dass der Aufwand, den Krieg zu thematisieren, sich lediglich auf das technische Aufarbeiten des vorhandenen Bildmateriales bezieht. Es wird nicht gelogen, nein - aber der Rest, die entscheidende historische Wahrheit über die Ursachen und vor allem Gewinnler und Verdiener, die ein Interesse am Krieg haben, wird verschwiegen.Michael Wachtler beschreibt den Krieg in seinen Büchern auf dem bislang von den Medien wenig beachteten Schwerpunkt Dolomitenfront Österreich-Ungarn - Italien. Der Kieg tobte auch dort, unmenschlich mähten nicht nur die sich rasant entwickelnden Waffen, sondern die Natur und Gewalt der Berge kommt im Gegensatz zum Toben der Natur (Stichwort "Verdunschlamm") hier hinzu, gnadenlos. Nichts ist mehr mit Volksmusik-Romantik einer bekannten ZDF-Abendsendung, es gibt keine Klischees.Michael Wachtler gelingt es, den Krieg an der Dolomitenfront erstmalig und schonungslos von seiner - unserer - menschlichen Seite zu zeigen - so zynisch das auch klingen mag. Er entlarvt. So einfach ist es: Wir Menschen sind zu den schlimmsten Greueln fähig, wir tun alles, wenn sich daran verdienen lässt oder wenn wir herrschen können oder wenn wir dazu gezwungen werden - von einem simplen und perfide ausgeklügelten System, welches sich "Armee" nennt. Man hat sich damals Oberen unterordnet, die sich den Interessen der Industriellen untergeordnet haben, hat den unsinnigsten Befehlen gehorcht, wissend, dass nur andere daran verdienen - und man hat gekämpft. Wenn es sein sollte, haben Vorgesetzte sowohl in Österreich-Ungarn als auch in Italien ihre eigenen Soldaten zu Hunderten in den Rücken schiessen lassen, wenn sie nicht stürmten, sie wurden aus niedrigsten Beweggründen als Exempel exekutiert, wenn die Disziplin nicht stimmte. So wurden "Helden" gemacht, die z.T. nur aus Angst stürmen mussten, nicht von hinten erschossen zu werden, wissend, dass es eigentlich ihre ehemaligen Landsleute waren, gegen die sie kämpfen müssen... Es wurde in den besetzten Ländern gemordet, gefoltert, zu Zigtausenden, weil es so befohlen wurde, weil Verblendung über Vernunft siegte. Weil Vorgesetzte über Untergebene herrschten und herrschen - und mit Parolen manipulieren, nur, um ihre Pöstchen zu sichern oder mit am Kriege verdienen zu wollen - so einfache Gründe sind es. Geht dabei jemand drauf? Egal!Untermauert wird all das von eindrucksvollen, z.T. erschütternden Fotos aus der damaligen Zeit. Sie zeigen ganz einfach die Wahrheit, wie sie war und bis heute ist, wie im WKI und seinen Ergebnissen bereits der Keim für den noch menschenverachtenderen WKII gelegt wurde. Wie eine Groß- und Schwerindustrie daran verdiente und bis heute verdient und der es egal ist, ob Zigtausende dabei jämmerlichst verrecken.Arnold Zweig beschrieb es sinngemäss auf seine Art: "Wie die Heere der Arbeiterklasse zum gegenseitigen Abschlachten auf das Feld der Ehre geführt wurden." Von wem? Für wen? Wofür?Das ist die ganze Wahrheit und keiner soll künftig mehr sagen können, er hätte es nicht gewusst. Ich danke Herrn Wachtler für seine Bücher und hoffe auf mehr von ihm.