Die Egger-Mayr in der Großen Laserzwand oder der Alpenraute Kamin – es gab noch keine Topos. Man blätterte, während man am Stand nachsicherte, noch schnell im dicken Peterka/End Führer und verstand die Routenführung nicht – wo war noch mal die seichte Rinne? Dafür hatte man ein paar rostige Normalhaken zur Verfügung – und im Alpenrautekamin durften wir uns an den gerade eben frisch gebohrten Klebehaken leider nicht sichern.Dann kam das selbstgezeichnete Topo vom Leo Jeller Gedenkanstieg, zum Glück brauchte man hier nur der Bohrhakenleiter nachklettern. Bei der Plattenflucht ging das nicht so einfach: hier konnte man zwar in Gery Unterasingers Zettelwerk schon einiges finden, dafür war die Route mangels Bohrhaken nicht sehr eindeutig auffindbar. Zumindest bis man dann irgendwann vor der Schlüsselstelle stand. Das Laserzgeischt Topo war nach der Tour wieder völlig zerronnen: der Tintenstrahldrucker war halt nicht wirklich wasserfest. Dafür waren die Bohrhaken und der Fels richtig edel.So könnte man noch stundenlang in Erinnerungen schwelgen, beim Schmökern im Führer von Vittorio Messini. Es finden sich nicht nur sämtliche Alt- und Neutouren rund um die Lienzer Dolomiten, die Kletterer rund um Vitto haben auch einige Touren neu erschlossen. Und diese sind ebenso interessant nachzulesen und anzuschauen wie etwa die Touren in der Südwand des Roten Turms. Wobei es nicht bei den Lienzer Dolomiten bleibt: die Karnischen und das weite Feld der Hohen Tauern wurde ebenfalls beklettert und nach Vergessenem und Neuem durchforscht.Gleichzeitig finden auch sehr viele Klettergärten ihren Platz im Führer. Damit ist man nicht mehr ausschließlich auf die diversen Hausmeister und –innen, etwa am Falkenstein, angewiesen. „Oder wie es früher im vertrauten Gespräch hieß: "zum Aufwärmen? Die dort ist leicht….“ Und ja, auch bei der Karlsbaderhütte muss man nicht mehr ratlos von Block zu Block pilgern, wenn das Wetter nur mäßig brauchbar ist. Als Garnierung, und damit bin ich fertig, gibt’s dann noch die Klettersteige Osttirols mit den Topos dazu.Ein schneller Satz noch: Viele Routen werden vielleicht nur ein Abenteuer im Kopf bleiben. Andere, viele mehr, sind freilich auch für unsereins machbar. Auch deshalb ist dieses Buch unbedingt empfehlenswert.
Gut recherchierter, breiter Auswahlführer vom umtriebigen Kalser Gebietskenner, Bergführer und Erschließer Vittorio Messini. Die Zusammenstellung deckt die wichtigsten Alpinklassiker und Neuerschließungen in Osttirol ab und richtet sich vorrangig an den Alpin- und Sportkletterer.Neben den Lienzer Dolomiten (Schwerpunkt im Laserz, einige Long Lines an Hochstadel, Keilspitze, Spitzkofel) werden ausgewählte alpine Kletterrouten in den Tauern (Glockner, Glödis, Prijakt, Wunwand etc.) vorgestellt.Weiters werden auch in jüngerer Zeit erschlossene bzw. wiederentdeckte Wände als alpine Sportklettergebiete vorgestellt, daneben die verschiedenen Klettergärten und als Bonus die Klettersteige in einem Band erfasst.Die Zusammenstellung ist kompakt, neben nützlichen Tips gibt es knappe treffende Charakterisierungen.Das Layout und die Topos sind mancherorts etwas unübersichtlich geraten, in Summe aber ein tolles Werk,dass verschiedene Lücken füllt und einen guten Überblick über den Stand der Kletterszene- und die tollen und breiten Möglichkeiten vermittelt.Für Old-School Bergsteiger und Gipfelsammler in den Tauern haben weiterhin die alten AV-Führer ihre Berechtigung, wobei diese wohl zunehmend nur mehr antiquarisch verfügbar sein werden.