Sehr gute Anleitung für Musiker, die sich in die Jazzwelt begeben wollen. Musikalische Vorkenntnisse sind nötig - und selbst mit diesen ist das Verstehen und Erlernen von Jazz-Akkorden, und insbesondere der besagten Voicings, nicht leicht. Da muss schon intensiv dran gearbeitet werden. Tja - von nichts kommt nichts, aber das ist ja auch gut so ;-) Wer aber wirklich lernen will und auch bereit ist, Zeit zu investieren, hat mit dieser Methode eine wertvolle Hilfe.
Funktionsweise des LehrmaterialesGanz systematisch wird man in die Welt des Jazzvoicings eingeführt. Erst wird der Akkord in allen Umkehrungen für rechte und linke Hand dargestellt. Dann wird man genötigt, ihn chromatisch auf und abwärts sowie im Quintenzirkel zu spielen. Damit kann man sich nicht mehr um die selteneren Tonarten mit den ungeliebt vielen Vorzeichen drücken. ;-) Und danach werden sämtliche erlernten Akkorde in exemplarischen Akkordfolgen auf dieselbe Weise erlernt und gefestigt. Nach und nach werden die Akkorde komplexer und führen vom 4 zum 5-Finger-Spreading.Hauptaugenmerk liegt dabei darauf, typische Akkordfolgen zu erkennen und automatisieren sowie Griffmuster/Akkordübergänge mit geringstem Aufwand anzuwenden.LernerfolgIch kann mich meinem Vorredner nicht anschließen, dass diese Akkordfolgen in der Praxis so kaum vorkommen. Immer häufiger entdecke ich in Lead Sheets ganze Passagen, die ich "ohne zu denken" mit passenden Akkorden füllen kann.Am Anfang verschwamm mir alles vor den Augen, bis ich die Akkorde mühevoll konstruiert hatte. Doch mit der Zeit wurde der Zusammenhang der Noten viel transparenter und die Akkorde griffen sich (fast) von alleine. Gerade meine linke Hand hat ungemein profitiert und ich bin endlich von reinen Grundtönen mit Ausflügen in den Walking-Bass zu interessanten Begleitspreadings gelangt.Angenehmer Nebeneffekt: Beim Swing fällt es mir sogar leicht, statt des reduzierten Jazz-Spreadings in der rechten Hand jederzeit auf "volle" Akkorde umzuschwenken, die nicht so jazzig klingen, weil die zugehörigen Töne "blind sitzen".
Dieses Buch spiegelt einen Systematisierungszwang wider, der sich auch bei MEHEGAN findet (man wundert sich, dass Letzterer kein Deutscher war); beide haben mich vom Jazz-Piano-Selbstunterricht eher abgehalten, erst LEVINE und SANTISI führten mich auf den rechten Pfad zurück.Bei II-V-I-Übungen ("die" zentrale Übung) etwa finden sich "natürlich" auch die schlecht klingende Terz- und Septim-Lage (außerdem bei V eine 13 notiert, die gar nicht vorkommt).Die kindlichen Kästchen zum Ankreuzen beweisen dem Büchermacher, dass hier jemand sein Buch "vollkriegen" musste.Musikerporträts sind naiv gehalten; die CD-Tracks klingen entsprechend ...Das Buch ist eher was für deutsche Jazzschüler (nichts für Schweizer, Österreicher, Italiener oder Franzosen - oder nein: Franzosen schon, sofern kartesianisch logischer Analyse-Geist am Werk).