Wer die Inszenierung damals gesehen hat, weiß ja, wie extrem sorgfältig sie Lessings Text realisiert und ausdeutet. Diese geniale Regisseurin spürt wirklich jedem Wort und jeder Regieanweisung nach, bis sie eine überzeugende Repräsentation gefunden hat. Umso mehr Bedenken hegte ich, davon eine Aufnahme anzusehen, in der dann irgendwelche Kameraleute über Perspektiven, Ausschnitte, Winkel usw. entscheiden. Aber diese Aufnahme überzeugt, weil sie a) keinen Film aus dem Stück macht und b) sich bemüht, den Strukturen der Inszenierung auch in Kameraführung usw. nachzugehen. Zwar bleibt einem nicht der freie Blick wie im Theater, aber man gewinnt regelrechte Regiestudien.
Johanna Wokalek, wie immer grossartig. Die Aufnahme ist ganz OK, aber kein filmtechnisches oder akustisches Meisterwerk. Hatte damals das Stück so auch im Burgtheater gesehen.
Die Theateraufführung von Gotthold Ephraim Lessings Trauerspiel "Emilia Galotti", die von Andrea Breth inszeniert wurde, ist trotz moderner Akzente nah an das Buch angelehnt.Wir sind der Meinung , dass die werktreue Sprache passt, da sie für diese Zeit angemessen ist. Die oben genannten modernen Akzente zeichnen sich durch das Bühnenbild, die Musik und die Kostüme ab. Das Bühnenbild ist schlicht, es gibt wenige Requisiten und die etwas jazzige Musik am Anfang kommt aus einem Radio. Auch die Kostüme sind modern, da die Figuren Anzüge und Kleider tragen, die jedoch nicht in diese Barockzeit passen. Die Umsetzung der Charaktere ist gut getroffen und die markanten Charaktereigenschaften der Figurenhervorgehen. Jedoch sind diese , genau wie die Mimik und Gestik teilweise übertrieben oder melodramatisch. Die Atmosphäre wird passend dargestellt und so hat der Zuschauer die Möglichkeit dem Stück zu folgen und sich in die Personen hineinzuversetzen.Alles in allem ist diese Inszenierung gut gelungen, jedoch sind einige Aspekte verbesserungsfähig.