Italo Calvino ist einer der international einflussreichsten italienischen Autoren des 20.
Jahrhunderts. Er hat sich eingehend mit kanonischen Texten der europäischen und globalen
Literaturgeschichte auseinandergesetzt nicht zuletzt mit solchen des Mittelalters und der
Frühen Neuzeit. Der Schriftsteller Essayist und Literaturtheoretiker sollte im Jahr 1985 an
der Harvard University die posthum als Lezioni americane bekannt gewordenen Charles Eliot
Norton Poetry Lectures halten. Durch seinen plötzlichen Tod im September 1985 wurden die
ursprünglich als Six memos for the next millenium betitelten Texte zu einem ungewollt letzten
Wort des bereits hochberühmten Autors in Sachen Literatur. Calvino entwickelt in den fünf
Vorträgen (Lightness Quickness Exactitude Visibility Multiplicity) eine persönliche
Poetologie die in die Zukunft wirken will und zugleich auf einer sehr reichen und vielfältigen
Auseinandersetzung mit der literarischen Tradition seit der Antike fusst. Boccaccios Decameron
wird dabei mehrfach von Calvino aufgegriffen. Dieser Band stellt sich die Frage wie Calvinos
literaturtheoretische Kategorien für die Lektüre der Novellen des 14. Jahrhunderts fruchtbar
gemacht werden können.