Literatur und vor allem Gedichte sind Geschmackssache. Um eine hoffentlich hilfreiche Rezension zu verfassen, habe ich deshalb versucht, meine Begegnung mit diesem Werk zu beschreiben.--Zugegeben, wenn mir jemand vor meinem diesjährigen Besuch der Leipziger Buchmesse gesagt hätte, dass sich unter meinen Messefunden ein Gedichtband befinden würde, hätte ich laut gelacht. Gedichte waren für mich eine Kunstform, die ich im Deutschunterricht analysierte, um mich nicht mit politischen Reden auseinandersetzen zu müssen. Das sich Gedichte seitdem weiter entwickelt haben, sich nicht zwangsläufig reimen müssen, zugänglich sein und so wie Songtexte Assoziationen wecken und eine Inspiration sein können, ... Darüber habe ich nicht nachgedacht, weil sie seit der Schulzeit jenseits meines Interesses lagen.Dann stieß ich auf der Leipziger Buchmesse auf dieses Kleinod. Inmitten überwiegend grauer Bücher erregte die Farbe meine Aufmerksamkeit, der Titel sodann meine Neugier. Um es vorweg zu nehmen, es gibt kein gleichnamiges Gedicht. Der Titel entstammt dem kürzesten Gedicht des Buches "Was bleibt", welches auch auf der Rückseite abgedruckt ist. Somit obliegt die Interpretation des Titels allein dem Leser.Aber auch unter den über 30 Gedichten finden sich vielversprechende Titel: "Meine Vielleichts sind nicht einzufangende Kolibris", "Revolte der morschen Bauten in so-and-so City" oder "Zuggleise treffen sich zuweilen".Ich entschied mich jedoch zuerst für "Forste Dich auf", weil es wie der Titel eines seichten Selbsthilfe-Ratgebers klang, was mein Vorurteil von vorhersehbaren und damit uninteressanten Gedichten bestätigt hätte. Ich hätte nicht weiter daneben liegen können. Ich fand tiefgründige Gedanken, die in seltene und ungewohnte, aber (und hier fehlt mir das geeignete Wort; eines, dass wie Steampunk oder Jules Vernes Verfilmungen etwas melancholisch-vertrautes, eine romantisierte Industialisierung, eine Emotion von Wärme und Erinnerung ausstrahlt; eines das Charakter und Wiedererkennungswert ausdrückt) Worte.Rasch entschied ich mich für "Meer & Aloe" und fand anstelle einer poetisch-kitschigen Landschaftsbeschreibung eine Erzählung über eine Verkäuferin, die bei der Autorin mit ihren Fragen, ihrer Arbeit und ihrem Umgang mit einer tödlichen Krankheit anscheinend einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.Den weiteren Gedichten werde ich mich nach und nach in ruhigen Momenten widmen, wenn ich die Zeit habe, mich darauf einzulassen. Ganz so, wie es es bisher überwiegend mit Liedtexten und Werken von Pratchett bis Wilde gemacht habe.