Während für koloniale Straßennamen im heutigen deutschsprachigen Raum ein reges Interesse zu
verzeichnen ist das vorrangig an Diskussionen einer etwaigen Notwendigkeit ihrer Umbenennung
in einzelnen Städten anknüpft sind die sprachhistorischen Benennungen in ortsübergreifender
Perspektive in Bezug auf Kolonialismus und koloniale Themen unerforscht. Die Arbeit geht den
linguistischen Praktiken solcher toponymischer Namenvergabeprozesse vom Beginn der faktischen
Kolonialzeit bis zur Endphase der nationalsozialistischen Herrschaft nach. Sie erhebt und
analysiert strukturbezogen-funktionale Muster sowie diskursive Argumentationszusammenhänge
hinsichtlich der damit versprachlichten kolonisatorischen Gewissheiten. Der umfangreiche
Datenbestand (über 500 Straßennamen) deren koloniale Benennungsmotivik anhand zahlreicher
Quellen und Quellengattungen bis 1945 nachgewiesen werden kann zeigt dass die Bedeutung
kolonialtoponomastischer Raumaneignung bzw. -besetzung in erheblichem Ausmaß auch auf das
Deutsche Reich zurückwirkte. In der Verbindung innovativer Onomastik und Diskurslinguistik
werden die globalen Verflechtungsgeschichten erstmalig anhand der Benennung des öffentlichen
Raumes in der deutschen Metropole umfassend erfasst und erläutert.