Das Phänomen der Orden und religiösen Gemeinschaften mitsamt ihrer komplexen Entwicklung und
Verankerung von Leitlinien Regeln und formae des Zusammenlebens prägt das Christentum von
Anfang an. Den Gründungspersönlichkeiten sofern sie bekannt oder gar prominent sind wird
nicht selten charismatische Ausstrahlung und mutiger Tatendrang zugeschrieben. Zumeist sind sie
die zentralen Akteurinnen und Akteure die unsere Kenntnis der Anfänge des religiösen
Gemeinschaftslebens quer durch die Epochen der Kirchengeschichte bestimmen. Der Fokus dieses
Buches liegt hingegen auf den zweiten (und dritten) Generationen von Orden und religiösen
Gemeinschaften. Denn häufiger als angenommen liegen die Anfänge religiösen Gemeinschaftslebens
im Dunkeln oder werden erst (zum Teil erheblich) später im Sinne einer Erzählung der Anfänge
konstruiert. Von großem Interesse sind die Übergänge von Fluidität und Experiment hin zu Dauer
und Stabilität einer Gemeinschaft vom jeweils im Einzelfall genauer zu definierenden Charisma
hin zur Institution vom Versuchscharakter hin zu einer rechtlich-stabilen Ordnung. Solche
Übergänge waren - und sind - beinahe immer von Krisen Konflikten und Narrativen geprägt die
die Ursprünge der Gemeinschaft im Licht der jeweils gegenwärtigen Spannungen lesen und
tradieren oder Anpassungsprozesse durchlaufen deren handelnde Personen häufig zu Unrecht im
Hintergrund stehen. Dieser bisher wenig untersuchten Phase der Krise und des "Gärens"
religiösen Gemeinschaftslebens widmen sich die Autorinnen und Autoren dieses Buches.