Nach intensiver Forschungs- und Rekonstruktionsarbeit wurde die Kunst- und Naturalienkammer im
Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen in Halle im Oktober 1995 wiedereröffnet.
Sie ermöglicht einen direkten Zugang zur Sammlungskultur der Frühen Neuzeit und zeigt dass die
Besucher:innen der Sammlungen des 16. bis 18. Jahrhunderts staunen sollten und staunen wollten.
Über diese Faszination wurde Neugier ausgelöst die wiederum zur Beschäftigung mit den
präsentierten Objekten anregte. Diese Sammlungen wie sie ungezählt bei Adel und Bürgertum zu
finden waren wollten den Makrokosmos im Mikrokosmos abbilden. In Halle spielten dabei zwei
Intentionen eine zentrale Rolle: Zum einen war die Wunderkammer ein Instrument zur Ehre Gottes
und zum anderen war sie ein Ort des Wissens und der Wissenschaft (Physikotheologie). All dies
wiederum stand im Kontext der Pädagogik in den Schulen der Franckeschen Stiftungen des 18.
Jahrhunderts. Der Begleitkatalog zur Jahresausstellung 2025 spiegelt nicht nur die Vielfalt und
Dynamik des 18. Jahrhunderts auf Grundlage dieser einmaligen Sammlung wider sondern geht auch
- noch immer - aktuellen Fragen und Themen nach: von Sammlungsordnungen und Sammlungsmöbeln
über die Öffentlichkeitsarbeit und Besucher:innenführung im 18. Jahrhundert bis hin zu
postkolonialen Perspektiven sowie verschwundenen und rätselhaften Objekten. Besondere
Aufmerksamkeit gilt dem Ordnungssystem Carl von Linnés welches erstmalig in der Halleschen
Wunderkammer museal zur Anwendung gelangte. Die Jahresausstellung 2025 findet vom 11. Mai 2025
bis 6. April 2026 in Halle statt.